Ägyptischer Hausesel der Onagerrasse.
(Nach Aufnahme von Professor Keller in Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Tafel 30.
Grauer abessinischer Esel mit deutlich sichtbarem Schulterkreuz und zebraartiger Querstreifung an den Beinen.
(Aus Karl Hagenbecks Tierpark in Stellingen.)
Sartenfamilie auf einer säugenden Eselin in Turkestan.
(Nach einer Photographie von Arndt Thorer.)
Beim anatolischen und syrischen Fettschwanzschaf ist der Fettschwanz sehr lang und in der Höhe des Sprunggelenkes nach oben gekrümmt. Diese werden in Kleinasien und Syrien am häufigsten gehalten und haben vereinzelte Ausläufer bis nach Südeuropa gesandt, so nach der Balkanhalbinsel, Süditalien und neuerdings (von Algier aus) auch nach einigen Landstrichen des südlichen Frankreich. Das höchstgezüchtete Fettschwanzschaf ist das persische, das von ansehnlicher Größe, aber nicht sehr hoch gebaut ist. Das Vlies ist ziemlich dicht, mit mäßig langer, gewellter Wolle, die sich nicht zum Versponnenwerden eignet und deshalb auch kaum je technisch verwendet wird. Die Färbung ist schmutzigweiß, silbergrau, braunschwarz, oft auch scheckig. Das bogenförmige Gehörn ist von lichter Farbe, nicht groß, aber in beiden Geschlechtern vorhanden. Der Fettschwanz ist sehr umfangreich, erreicht nicht selten den vierten Teil des Gesamtgewichts und wird dann zur unbequemen Last für das Tier.
Ebenfalls langschwänzig, wie ursprünglich alle Schafe von Arkalabstammung, aber statt auf Fett- auf Wollnutzung gezüchtet, ist das westasiatische Wollschaf, der Wolleerzeuger par excellence, dessen Produkt schon im Altertum berühmt war. Bereits zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends trieben die Phönikier einen schwunghaften Handel mit feinen und dazu noch prächtig, meist mit Purpur gefärbten Wollstoffen, für die die Küstenstämme Kleinasiens und Griechenlands willige Abnehmer waren. Wie vordem in Syrien und Mesopotamien wurde später dieses Wollschaf namentlich in Kleinasien gezüchtet und dessen Wolle vorzugsweise über Milet nach Griechenland ausgeführt. Die griechische Sage läßt ja im Argonautenzuge das goldene Vlies, d. h. wohl den gelbwolligen Träger desselben, in Kolchis, am östlichen Ufer des Schwarzen Meeres, holen. Dort muß es also schon früh Schafrassen mit besonders feiner Wolle gegeben haben, nach deren Besitz man in Griechenland lüstern war. Später fand über Samos ein lebhafter Import von hochgezüchteten kleinasiatischen Wollschafen nach Griechenland statt, wo in der Folge die Zuchtrassen von Epirus und Attika einen bedeutenden Ruf erlangten. Über Großgriechenland (Sizilien und Süditalien) gelangten diese edlen Wollschafe asiatischer Abstammung zu den Römern, die sie weiter nach Westen und Norden brachten. In der Folge überflügelte die iberische Halbinsel mit ihren trockenen, der Schafzucht besonders günstigen Hochsteppen in der Schafzucht und Wollverarbeitung alle übrigen Mittelmeerländer, und Corduba, das heutige Cordova, wurde das Zentrum der Wollindustrie. Hier züchtete man nach und nach aus dem asiatischen Blute das Edelschaf, das unter dem Namen Merinoschaf weltberühmt wurde.
Das gemeine Landschaf Spaniens ist das Churraschaf von Arkalabstammung, neben dem schon im Altertum eine Abart mit besonders feiner Wolle — wohl aus Kleinasien importiert — gehalten wurde. Bereits der 66 n. Chr. gestorbene Grieche Strabon berichtet in seinem Werke über Geographie: „Spanien erzeugt für den Handel herrliche Wolle, feine Gewänder, und die dortigen Schafböcke werden teuer bezahlt.“ Im Mittelalter, unter der maurischen Herrschaft, die die Landwirtschaft so überaus förderte, wurden die Herden dieser Wollschafe noch mehr veredelt. Später nahmen sich die Großgrundbesitzer und klösterlichen Verwaltungen der blühenden Schafzucht an. Sie erhielten unter Ferdinand V., dem Katholischen (geb. 1469, regierte 1479–1516), weitgehende Privilegien und taten sich zu Mesta genannten Verbänden zusammen, die sich selbst dem Privatbesitz gegenüber allerlei Rechte anmaßten, so vor allem dasjenige, ohne Entschädigung an die Eigentümer die Weidewege für die Wanderschafe über fremden Grund und Boden zu bestimmen. Solches nehmen sie laut altem Herkommen bis auf den heutigen Tag für sich in Anspruch. Übrigens hören wir bereits von römischen Schriftstellern, daß es wie in Spanien, so auch in Italien Wanderherden gab, die den Sommer im Gebirge und den Winter in der Ebene zubrachten und dabei Rechte freien Durchzugs besaßen.