Die Schweine werden vom Schweinehirten gewöhnt, alles nach dem Klang des Hirtenhorns zu tun. So z. B. stößt er ins Horn, wenn er sie aus den Ställen läßt, wenn er sie im Walde zusammenruft usw. Die Herde alter Schweine kann aus 100 bis 150 Stück, diejenige junger aus doppelt soviel bestehen.“

Der ältere Plinius schreibt: „Wenn Schweine ihre Jungen fressen, so sieht man das nicht als schlimme Vorbedeutung an. Das Ferkel gibt am 5. Tage ein reines Opfer, das Lamm am 8., das Kalb am 30. Das Schwein ist überaus dumm, doch kennt man auch ein Beispiel, daß gestohlene Schweine die Stimme ihres Herrn erkannten, das Schiff, auf das die Räuber sie gebracht, versenkten, indem sie auf der einen Seite das Übergewicht gaben, und dann zurückschwammen; auch lernen die Anführer der Herde den Markt und die Häuser finden. Die Kunst, bei Sauen eine große Leber wie bei Gänsen zu erzeugen, ist eine Erfindung des Marcus Apicius (eines berühmten Feinschmeckers, der auch ein Kochbuch für die feine Küche schrieb) und besteht darin, daß man sie mit trockenen Feigen tüchtig füttert und mästet, ihnen dann Met zu trinken gibt und sie plötzlich tötet. Kern anderes Tier liefert Speisen von verschiedenerem Geschmack für die Küche; denn wenn von anderen Tieren jedes nur einerlei Geschmack hat, so hat das Schwein dagegen fünfzigerlei, weswegen auch durch mancherlei Gesetze den Zensoren einzelne Teile, wie Euter, Kopf usw., bei Gastmählern verboten sind; aber freilich kehrt sich nicht jeder an solche Gesetze.“ Die Feinschmecker Roms begnügten sich aber in der Regel nicht mit dem gewöhnlichen Schweinefleisch, das auch gesalzen und geräuchert wurde, wie dies heute noch geschieht, sondern ließen sich mit Vorliebe solches aus Sardinien kommen, von wo aus große Schweinezüchter (suarii), die zur Kaiserzeit besondere Rechte erlangt hatten, den Markt mit besonders feiner Ware versorgten.

Welcher Tafelluxus im kaiserlichen Rom und im üppigen Alexandreia herrschte, zeigen uns folgende Tatsachen. Petronius meldet: „Die Tafel war gedeckt: ein ganzer gebratener Eber ward aufgetragen. Das Jagdmesser wurde erhoben und in des Ebers Bauch gestoßen, — da flogen zur Belustigung der Gäste aus der Wunde Drosseln hervor.“ Der um 220 n. Chr. in Alexandreia lebende Grieche Athenaios erzählt, wie bei einem Gastmahle eine silberne, reichvergoldete große Schüssel auf die Tafel kam, auf der ein erwachsenes Schwein gebraten auf dem Rücken lag und seine Beine zum Himmel streckte. Als sein Bauch mit einem Schnitte geöffnet ward, fand sichs, daß es mit gebratenen Drosseln, anderen kleinen Vögeln, Austern usw. gefüllt und in die Zwischenräume Eidotter gebracht war.

Ein anderes Mal ward ein Schwein aufgetragen, an dem mit Aufwand großer Kunst die eine Hälfte gebraten, die andere gekocht war. Alle bewunderten dies Gericht. Drob freute sich der Koch, nahm eine stolze Miene an und fragte: Na, wer von euch kann angeben, wie das Tier geschlachtet und wie sein Bauch mit tausend herrlichen Leckerbissen gefüllt ist? Er enthält Drosseln, andere kleine Vögel, gehacktes Schweinefleisch, Eidotter, Hühner, gepfefferte Fleischklößchen usw. Der Schriftsteller Macrobius sagt, daß diese mit kleinen Tieren gefüllten Schweine von den Kennern in Anlehnung an das sagenhafte trojanische Pferd Trojanische genannt wurden.

Der Geschichtschreiber Älius Lampridius berichtet in seiner Biographie des Alexander Severus (222–235 n. Chr.), dieser Kaiser pflegte sich während der Mittagstafel damit zu belustigen, daß er spielende Spanferkel oder kämpfende Rebhühner oder hin und her fliegende Vögel betrachtete. Seine Vogelhäuser enthielten Pfauen, Fasane, Haushühner, Enten, Rebhühner und eine Unzahl Tauben. Als unter seiner Regierung das römische Volk sich über eine Fleischteuerung beklagte, habe er Erkundigungen eingezogen und erfahren, daß es vorzüglich an Schweine- und Rindfleisch fehlte. Da gab er den Befehl: Niemand dürfe eine säugende Sau, ein saugendes Ferkel, eine alte oder junge Kuh schlachten. Da sei schon in zwei Jahren Fleisch in Menge und wohlfeil zu haben gewesen.

Nicht selten sind uns bildliche Darstellungen des Schweins aus römischer Zeit erhalten geblieben, die, wie beispielsweise das prächtige Basrelief vom großen Staatsaltar auf dem Forum Romanum, eine durch weitgehende Zucht kurzköpfige, sehr mastfähige Rasse mit runden Formen zeigen. Deren Beziehungen zum indischen Hausschwein sollen nach C. Keller recht deutlich ausgeprägt sein. Noch heute ist das asiatische Blut im Hausschwein der römischen Kampagna unverkennbar. Dieselbe Schweinerasse wurde nach Überresten in Herculanum und Pompeji zur Zeit von deren Untergang gehalten; eine in Portici gefundene Bronzestatuette bringt deren Merkmale sehr charakteristisch zum Ausdruck.

Bei den alten Germanen war die Schweinezucht sehr beliebt, da dieses Tier nach dem Pferd den beliebtesten Braten lieferte und deshalb gern geopfert wurde. Unter den Karolingern wurde es viel gehalten. So schärfte Karl der Große seinen Verwaltern ein, diese Tiere in möglichst großer Zahl auf seinen Landgütern zu halten. So finden wir in den Verzeichnissen der Königshöfe eine große Zahl derselben, so in Asnapium 260 große und 100 kleine Schweine, daneben 5 Eber, in Grisenweiler 150 große und 100 kleine Schweine. Sie wurden in die Wälder zur Eichel- und Buchenmast getrieben. Außer eingesalzenem Fleisch, besonders Schinken und Speck, wurden auch Würste beim Schweineschlachten im Frühwinter hergestellt. Schon im 12. Jahrhundert begannen westfälische Schweine und Schinken berühmt zu werden. Noch das ganze Mittelalter hindurch wurden wilde Eber auf zahme Sauen gesetzt, um eine bessere Zucht zu erlangen.

Das älteste Hausschwein der vorgeschichtlichen Völker Süd- und Mitteleuropas war nach den auf uns gekommenen Schädelüberresten nicht ein Abkömmling des gezähmten einheimischen Wildschweins, sondern, wie die genau vorgenommenen vergleichend anatomischen Feststellungen beweisen, ein solcher des südasiatischen Bindenschweins. In den ältesten Pfahlbauten und Landniederlassungen Mitteleuropas der neolithischen Zeit fehlte dieses zahme Hausschwein südasiatischer Herkunft noch durchaus. Es tritt uns erst in einer späteren Zeit der neolithischen Kultur in Überbleibseln entgegen und wurde dann namentlich in der Bronzezeit in steigender Menge gehalten. Es ist dies das Torfschwein (Sus scrofa palustris), von L. Rütimeyer so genannt, weil uns eben seine Reste, wie diejenigen der ältesten Haustiere überhaupt, vorzugsweise in den inzwischen vertorften Seegründen, wo einst die Pfahlbauniederlassungen gestanden hatten, entgegentreten. Es war ein zierlich gebautes Tier von mäßiger Größe, das sich in seinem Schädelbau durchaus von demjenigen des einheimischen Wildschweins entfernt, aber nahe Beziehungen zu dem des südindischen Bindenschweins aufweist. Da man es damals nicht in Stallungen bannte, sondern ähnlich wie das Hausschwein der Malaien der indonesischen Inselwelt ziemlich frei umherlaufen ließ, wich sein Schädel vom Wildschweincharakter nur wenig ab. Daher glaubte Rütimeyer zunächst, daß das Torfschwein ursprünglich wild bei uns gelebt habe. Doch kam er später von dieser Annahme zurück, und heute wissen wir mit Bestimmtheit, daß sein Stammvater das südindische Bindenschwein war. Bei letzterem ist, wie beim Torfschwein, der Schädel verhältnismäßig kurz, breit und hoch, die Tränenbeine sind kurz und hoch, nähern sich also der quadratischen Form; der knöcherne Gaumen scheint nach vorn verbreitert, so daß die vorderen Backenzähne stark auseinandergedrängt werden. Demgegenüber ist der Schädel des europäischen Wildschweins und der erst später von ihm gewonnenen Hausschweine niedrig, schmal und langgestreckt. Die Tränenbeine sind lang und niedrig, also mehr rechteckig, der knöcherne Gaumen ist nach vorn nicht verbreitert, so daß die Backenzähne annähernd parallel zueinander stehen.

Bei allen Schweinen aber ist die Wildform im Bau des Schädels von der Kulturform verschieden. Erstere wühlt im Boden nach eßbaren Knollen und Wurzeln, letztere hat sich dies in der Gefangenschaft fast abgewöhnt; infolgedessen ist ihr Schädel im Profil nicht mehr gerade, sondern zwischen Stirn und Nase eingeknickt. Die fächerförmige Schuppe des Hinterhauptbeins ist nicht mehr wie beim Wildschwein nach hinten gerichtet, sondern steigt mit der Stirn- und Scheitelgegend mehr oder weniger senkrecht empor. Während der jugendliche Wildschweinschädel anfänglich den indifferenten Typus des Säugetierschädels wiederholt, wird er später gestreckt und erhält scharf ausgeprägte Knochenleisten, im Gegensatz zu demjenigen des zahmen Schweins, bei dem die Nackenmuskulatur durch Nichtgebrauch schwächer wird und der Eckzahn an Größe abnimmt.

Dieses Torfschwein kam zweifellos über Westasien aus seiner südindischen Heimat nach Europa, wenn wir nicht annehmen wollen, daß sich sein Verbreitungsgebiet einst bis nach Westasien erstreckte, wo es dann hätte gezähmt werden können. Genaueres wissen wir über diese Wanderung nicht. Wir wissen nur, daß das Hausschwein im Altertum auch in Mesopotamien gehalten wurde. So ist uns aus der assyrischen Zeit in Kujundschick das Bild eines Mutterschweins mit Ferkeln erhalten geblieben. Im Gegensatz zu Layard, der darin eine Wildsau erblicken zu müssen meinte, glaubt Keller aus dem feinen, verhältnismäßig kurzen Kopf darin einen Abkömmling des südindischen Bindenschweins erkennen zu dürfen. Allerdings hat später der ganze semitische Kulturkreis das Schwein als Haustier abgelehnt, so daß es in der Folge aus Westasien, soweit semitische Stämme zu finden waren, verschwand. Anders bei den Ariern, denen der Schweinebraten, gleichgültig ob vom wilden oder zahmen Schwein, ein Festessen war. So verspeisen die Helden in Wallhall täglich den göttlichen Eber Särimni, der täglich wiederum neu ersteht, um sich von den Asen verspeisen zu lassen. So war es auch schon bei den Mitteleuropäern zu Ende der Stein- und zu Beginn der Bronzezeit. Diese liebten außer dem ihnen noch reichlich zur Verfügung stehenden Wildschweinbraten auch etwa solchen vom Hausschwein, besonders nachdem es von der Eichelmast im Herbste recht fett geworden war, zu verzehren und sich aus dem Überschuß durch Einsalzen und Räuchern Winterproviant zuzulegen. Da nun das halb wild gehaltene Torfschwein nicht selten Gelegenheit bekam, sich mit wilden Ebern zu begatten, so entstand bald eine größere Mischrasse. Schon Plinius meldet in seiner Naturgeschichte: „Das zahme Schwein paart sich sehr leicht mit dem Wildschwein.“ Diese Tatsache war also schon im Altertum, wo sich bei der großen Häufigkeit der Wildsauen viel mehr Gelegenheit zu solchen Beobachtungen bot als heute, allgemein bekannt.