Weidende Zebraherde in der ostafrikanischen Massaisteppe am Fuße des Kilimandscharo.
(Nach unretuschierter Naturaufnahme von Karl G. Schillings aus seinem Buche „Mit Blitzlicht und Büchse“.)
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GRÖSSERES BILD
Wie bei den alten Griechen, so hat auch bei den Römern das Maultier als nützliches Arbeitswesen weite Verbreitung gefunden. Hat doch seine fast aufgehobene Geschlechtlichkeit im Verein mit seinem leistungsfähigen Körper, der die Stärke des Pferdes mit der Zähigkeit, Ausdauer und Genügsamkeit des Esels verbindet, es bis auf den heutigen Tag überall in den von der altrömischen Kultur befruchteten romanischen Ländern zu besonderer Wertschätzung geführt. Schon der ältere Plinius sagt in seiner Naturgeschichte: „Das Maultier ist zur Arbeit ganz ausgezeichnet gut, der Maulesel dagegen ist unlenksam und unbändig faul. In der Regel bekommen Maultiere und Maulesel keine Jungen; doch geschieht es allerdings mitunter und dann hat man es immer für ein Zeichen bevorstehenden Unglücks gehalten.“ Dieser Aberglaube ist von den Römern auf die Romanen übergegangen. So berichtet Bollaert, daß eine der besten Silberminen bei Iquique ihren Ertrag einstellte, als ein weißes Maultier ein Junges warf. In ganz Südamerika hat man einen solchen Schrecken vor diesen Maultiergeburten, daß schon in verschiedenen Fällen Mutter und Kind gleich auf einen Scheiterhaufen gebracht und verbrannt worden sein sollen. Wie Älian berichtet, benutzten die Römer, besonders zum Ziehen von Reisewagen, Stuten oder Maultiere. Diese waren dann bei den Vornehmen vielfach kostbar beschlagen und mit bunten Bändern geschmückt. So berichtet Plinius von Kaiser Neros Gemahlin Poppaea, sie habe die Hufe ihrer Maultiere mit Gold beschlagen lassen. Und Sueton schreibt: „Wenn Kaiser Nero eine Reise machte, so hatte er immer wenigstens tausend Staatskarossen bei sich; die Hufe der vorgespannten Maultiere waren mit Silber beschlagen, die Kutscher waren in kanusinische Wolle gekleidet.“ Varro rühmt den Mut dieser Tiere, indem er sagt: „Die Maultiere sind von Natur mutig, und mir ist ein Beispiel bekannt, wo sich ein Wolf an eine Herde von Maultieren schlich, diese ihn aber umringten und mit den Hufen totschlugen.“
Heute noch wird in den Gebirgsländern Südeuropas, besonders in Italien und Spanien, dann in Österreich und der Schweiz — hier besonders im Kanton Wallis —, das Maultier zum Befördern von Lasten als Saumtier, oder an den zweiräderigen Wagen angespannt, dem Pferde vorgezogen. Seine Genügsamkeit, seine große Ausdauer und die selbst auf dem schwierigsten Terrain sichere Gangart — alles Erbstücke vom Esel — in Verbindung mit der durch die vom Pferd ererbte Körpergröße ermöglichten größeren Leistungsfähigkeit beim Lastentragen machen es den Gebirgsbewohnern geradezu unentbehrlich. Deshalb wird es auch zum Befördern der Gebirgsartillerie dem Pferde vorgezogen. Auf eine hohe Stufe ist die Maultierzucht in Südfrankreich gelangt, wo Poitou und Deux Sèvres einen starken Export betreiben. Außer in den romanischen Ländern trifft man diese Zucht nur noch in Irland häufiger. Auf asiatischem Boden hat Persien ausgezeichnete Maultiere; auch Nordchina ist in dieser Richtung hervorragend. In Nordafrika züchten Algerien und Ägypten diesen Bastard in größerer Zahl, am berühmtesten ist aber das gebirgige Abessinien durch seine Maultierzucht. Sie wird dort dadurch erleichtert, daß einmal der dortige Pferdeschlag nicht sehr groß ist und die Abneigung des Pferdes gegen den niedern Verwandten dadurch verringert wird, daß Pferd und Esel von Jugend auf zusammen aufgezogen werden. In der Neuen Welt hat die Maultierzucht namentlich im spanischen Südamerika außerordentliche Verbreitung gefunden. So wurden früher nicht weniger als 80000 Stück jährlich von Argentinien nach Peru exportiert. Auch in Mexiko und den Südstaaten der Union hat die Maultierzucht zunehmende Bedeutung erlangt.
Wie der Wildesel würde auch das Zebra (Equus zebra) ein geeignetes Objekt für die Domestikation von seiten des Menschen sein. Durch die unablässigen Verfolgungen von Seiten des Menschen ist seine Verbreitung eine sehr beschränkte geworden. Früher war es ein gemeines Tier der afrikanischen Steppe, das in Herden bis zu 100 Stück lebte, die einzelnen Arten streng voneinander gesondert, aber sich gern unter Antilopen und Strauße mengend. Da ihr Gesicht, wie bei allen Pferden, weniger gut ausgebildet ist, während ihr Geruch vorzüglich ist, kam ihnen die Symbiose mit den gut sehenden, außerordentlich wachsamen Straußen sehr zugute. Letztere ihrerseits fraßen gern die im Zebradung lebenden großen Mistkäfer. Eine ähnliche Lebensgemeinschaft zu gegenseitiger Förderung besteht in Südamerika zwischen Hirschen und Nandus, im Kaukasus zwischen Steinböcken und Berghühnern.
Die Zebras sind wie die Wildesel typische Steppentiere, die sich aber im Gegensatz zu jenen nie allzuweit vom Wasser entfernen, da es ihnen bei der sehr harten, vielfach salzhaltigen Nahrung ein Bedürfnis ist, täglich zu trinken. Wie alle diese Tiere benutzen sie gewöhnlich die Nacht, um oft über weite Strecken zum Wasser zu gelangen, an dem sie ihren Durst zu stillen vermögen. Früher galt das Zebra für zu wild, um gezähmt werden zu können. Doch ist diese vorgefaßte Meinung durch den praktischen Erfolg widerlegt worden. So gibt es nicht nur in Deutsch-Ostafrika, sondern selbst in London als Zugtiere dressierte Zebras, die ihren Dienst vortrefflich tun. In letzterer Stadt fährt Baron W. von Rothschild im dichtesten Straßengewühl mit vier Zebras so glatt und flott wie mit dem besten Viererzug aus Pferden. Da das Zebra unter der Tsetsekrankheit nicht leidet, ist es dazu berufen, in weiten Gebieten Afrikas als Zugtier das Pferd zu ersetzen, das dort nicht gehalten werden kann, da es regelmäßig daran erliegt. Zum Reiten ist es allerdings zu schwach. Von allen Zebraarten hätte nur das Grevyzebra (Equus grevyi) die erforderliche Größe und Kraft, um ein brauchbares Reittier abzugeben. Da sich die Zebras sehr leicht mit Pferd und Esel kreuzen lassen, scheint eine solche Kreuzung von großer Bedeutung, da die daraus resultierenden Bastarde, die man als Zebroide bezeichnet, sehr leistungsfähig sind und gegenüber dem Maultier unverkennbare Vorzüge aufweisen, so daß sie diesem vielleicht in Bälde den Rang streitig machen werden. Verschiedene Gestüte haben sehr günstige Erfahrungen mit diesen Tieren gemacht, die durch ihre mehr pferdeähnliche Erscheinung in Verbindung mit der Zebrazeichnung recht stattliche Luxustiere sind. Außer Schnelligkeit und Ausdauer wird ihnen große Gelehrigkeit nachgerühmt. An Muskelstärke übertreffen diese Zebroide die Maultiere und lassen die Störrigkeit der letzteren ganz vermissen; außerdem sind sie weniger scheu. Jedenfalls haben diese Tiere eine bedeutende Zukunft, da sie eine besonders gute Rassenmischung darzustellen scheinen.
VII. Das Pferd.
Erst längere Zeit nach dem ostafrikanischen Wildesel ist irgendwo in Zentralasien das flüchtige Wildpferd (Equus caballus) vom Menschen gezähmt und zunächst als ausschließliches Werkzeug des Krieges benützt worden. Einst hat es nicht nur in Asien, sondern überall auch in Europa Wildpferde gegeben. Wie der nordamerikanische Bison die ausgedehnten Prärien und der europäische Wisent den Wald bewohnte, so war offenbar auch das europäische Wildpferd in frühgeschichtlicher Zeit mehr ein Waldtier, während es von Rußland an ein ausgesprochenes Steppentier wie einst in der Diluvialzeit geblieben war. In verschiedenen Epochen der Eiszeit hat neben dem Wildbüffel das Wildpferd das wichtigste Nahrungstier des Menschen gebildet, dessen Knochen sich an manchen einstigen Lagerplätzen des Diluvialmenschen zu mächtigen Abfallhaufen auftürmten. So findet sich an der Fundstelle von Solutré bei Mâcon nördlich von Lyon im Rhonetal eine gegen 4000 qm bedeckende Schicht von 0,5–2,3 m Mächtigkeit, bestehend fast ausschließlich aus Knochen des diluvialen Wildpferdes, das damals in zahlreichen Herden das Rhonetal bewohnt haben muß und trotz seiner Flüchtigkeit dem primitiven Jäger zahlreich zur Beute fiel. Die Gesamtzahl der auf jenem einzigen Platze einst vom Eiszeitmenschen verspeisten Wildpferde schätzt Toussaint auf wenigstens 40000, andere auf etwa 100000, meist vier- bis siebenjährige, also im besten Fleischzustand erbeutete Tiere. Dieses heute in Europa ausgestorbene diluviale Wildpferd, von dem sich auch mehrfach treffliche Zeichnungen von der Hand des Eiszeitjägers der jüngsten Phase der älteren Steinzeit an den Höhlenwänden, auf Steinplatten und auf allerlei Knochenstücken erhielten, besaß einen größeren Kopf, stärkere Zähne und kräftigere Kiefer als das heute lebende Pferd, war aber, wie man an einem aus Bruchstücken zusammengesetzten Skelett im Naturhistorischen Museum in Lyon sehen kann, ziemlich groß und schlank gebaut. Auch die Fundstelle von La Micoque im Vézèretal unweit von Laugerie haute birgt eine gewaltige Menge von Knochen dieses Tieres, dessen Röhrenknochen stets aufgeschlagen wurden, um das Markfett, nach dem jene Leute sehr lüstern waren, noch lebenswarm auszusaugen.