Caroline. Das ist mir zu arg. Nein für so falsch, so ohne Zutrauen gegen deine beste Freundin, hatte ich Dich nicht gehalten. — Riegle die Thür zu, daß uns niemand stören kann. — Auguste, willst Du mich wircklich glauben machen, der gestrige Abend brächte Dich nicht aus Deinem Gleichmuth?

Auguste. Ach Du meinst den Triumph der kleinen Sängerin, die, wie heißt sie doch gleich, Henriette, glaub’ ich. Was thut das mir? Wir haben so verschiedene Fächer —

Caroline. Aber ihr habt nicht so verschiedene Liebhaber. Glaubst Du, daß Dir die Deinigen treu sind? — Ha, hab ich den reizbaren Fleck getroffen? Sieh wie Du roth und blaß wirst. Auguste, komm an meine Brust, sey offen gegen mich; wir wollen unsern Herzenskummer gegen einander ausschütten. Ich bin in Verzweiflung! (Sie weint.)

Auguste. Ja Caroline, ich muß gestehen, auch ich habe Erfahrungen gemacht. O wir unglücklichen Frauen! O die falschen leichtsinnigen Männer!

Caroline. So gefällst Du mir, so bist Du meine Leidensgefährtin. Laß uns gegenseitig alles erzählen, und dann überlegen, was zu thun ist. Schon vorgestern, stell Dir vor, kam kein einziger meiner täglichen Verehrer zu mir. Alle waren sie in die Probe gegangen, wo die Henriette zum erstenmal sang.

Auguste. Ach, mein Leiden fing schon einen Tag früher an. Denke Dir, ich spiele die Julie. In den Sperrsitzen sehe ich meine alten treuen Verehrer, die Räthe Wicke und Hemmstoff und den Abbe. Sie wenden kein Auge von mir. Jede meiner Bewegungen, ich machte den stummen Knaben, wurde beklatscht. Aber im zweiten Akt, was geschieht? Das Gerücht verbreitet sich, die neue Sängerin sey angekommen, sie sitze oben im ersten Rang. Von dem Augenblick an sind alle Perspective, die bis dahin auf mich gezielt hatten, nach der Loge gerichtet. Kein Mensch achtet mehr auf mich, und die größten Effecte meiner Rolle gingen unbeachtet vorüber. Ich war außer mir!

Caroline. Nun höre mein Schicksal. Vorgestern, wie gesagt, kam niemand. Aber gestern! Schon um Eilf ließ sich der Major Longtrain bei mir melden. Ich empfing ihn mit den Worten: Schon so früh Herr Major? Ein recht willkommenes unverhofftes Ereigniß. Ich vermuthete Sie erst um Zwölf! O meine schöne Caroline, erwiederte er, wer kann die Zeit erwarten, zu Ihnen zu kommen. Apropos, werden Sie heut im Theater seyn? Die neue Sängerin ist ganz bezaubernd.

Auguste. Wie, das sprach er so rasch hinter einander fort?

Caroline. Das war eben mein Aerger! Ich merkte ihm auch an, daß er zerstreut war, und endlich bricht er gar schon nach einer Viertelstunde auf, er den ich sonst nie los werden konnte!

Auguste. Unerhört!