Auguste. Freilich! Laß uns nur überlegen. Schriftsteller von Gewicht! Hm, was meinst Du zu dem finstern Raupenbach? Wenn ich dem verspreche, in einem seiner Werke aufzutreten, so thut er alles was ich haben will.

Caroline. Gut! Raupenbach soll einen ernsten Aufsatz verfassen, in dem er die Geringfügigkeit ihrer Talente recht scharf und beißend darstellen mag. Wen hätten wir denn sonst noch? Ja, nicht zu vergessen, Puckbulz, Dein bester Freund, ist gewiß auf unsrer Seite; und seine Critiken werden von den größten Männern, wenn auch nicht gelesen, doch gelobt. Die werden gewiß Aufsehen erregen.

Auguste. Ruhwitz muß in seinem Blatte der Menschenscheue ein Sonnett auf uns drucken lassen.

Caroline. Arion Sirius, dieser einzige wandelnde Fixstern, muß ein Spottgedicht auf die Henriette in irgend einer Gesellschaft improvisiren.

Auguste. Und Quintus Curtius Rufus könnte eine neue parodirte Lebensgeschichte des Alexander auf diesen Phönix des A. — Platzes schreiben.

Caroline. Nun wüßte ich keinen bedeutenden Genius mehr in diesen Mauern, den wir nicht zur Hülfe aufgeboten hätten. Das wären die Geschäfte der Feder. Wenn man nun noch einen rüstigen Kämpfer mit dem Degen auftreiben könnte, um die Anbeter dieser neuen Heiligen etwas in Schrecken zu setzen! Aber ach, hier fühle ich wieder die ganze Tiefe meines Unglücks; ich weiß keinen, der sich jetzt noch für mich schlagen würde, und vor acht Tagen hätte ich eine Armee ins Feld stellen können.

Auguste. Halt! mir fällt etwas ein. Sollte Dir auch Dein zärtlichster Verehrer untreu geworden seyn? Wie? wäre auch jener bleiche Jüngling, dessen schmachtendes, halb erloschenes Auge so unverwandt, wenn gleich hoffnungslos, nach Deinen Fenstern blickt, wäre auch er verschwunden, seit Henriettens Reiz alle Männer bezaubert?

Caroline. Nein der ist treu! das ist wahr, den hatte ich vergessen. O er wird nicht weit seyn. Laß uns einmal geschwind ans Fenster. Siehst Du, dort geht er im blauen Ueberrock, gleich wird er umdrehen, denn über 50 Schritte entfernt er sich nicht vom Hause. Jetzt wendet er sich. Sieh nur, wie verstohlen sehnsüchtig er zu mir aufblickt. Das ist ein Freund in der Noth, der soll für uns fechten.

Auguste. Werden seine bleichen Wangen aber nicht ein Hinderniß seyn, die Feinde in Schrecken zu setzen?

Caroline. Gewiß nicht. Heut Abend, wenn ich nach Hause komme, steht er gewiß im Dunkel unter der Laterne und sieht mich aus dem Wagen steigen, dann will ich ihm einen so freundlichen Blick zuwerfen, daß das glühendste Roth seine Wangen überdecken soll. Und wenn ich oben bin, werde ich mit dem Licht noch einigemal ans Fenster kommen, als sucht ich etwas, und so nach den Bäumen, unter denen er zuverlässig steht, hinabwinken, daß ihm das Herz vor Freude schlagen soll. O lehre mich nicht, wie ich diesen Jüngling in ein Bild der Gesundheit und Kraft verwandle. In drei Tagen soll Mars selbst vor ihm davon laufen.