»Der Schuß is am Buachwieser Eck g'fallen. Mir müassen umi. Wenn'st net wegg'laffen warst, kunnt'n ma scho bald drent sei.«

Hälftewegs zwischen Ehrwald und Griesen liegt die Schanz; ein gutes Wirtshaus, bei dem alle Fuhrleute anhalten. Es war daher nichts Auffallendes, daß der Schreinermeister Holzweber den Feiertag benützte, um dort einen Schoppen Landwein zu trinken. Er saß im Freien mit anderen Honoratioren aus Ehrwald, redete anständig und gesetzt von allerlei Dingen und lobte auch den schönen Abend.

Zwischenhinein fragte er seinen Nachbar: »Du, Seppel, wer isch der selle Grenzaufseher, der dort sitzt?«

»Der? Des ischt ein neuer; Redenbacher oder so heißt 'r. Er ischt no nit lang in Griesen.«

»So? I han mir's denkt, daß er neu ischt, weil i 'n no gar nie g'wahrt hab.«

Er sagte es recht gleichgültig und redete wieder von etwas anderem.

Nach kurzer Zeit meinte er, es sei nun spät geworden, und er wolle sich auf den Heimweg machen. Er bezahlte seine Zeche und ging gegen Ehrwald zu. Aber nur so lange, bis ihn eine Biegung des Weges den Blicken der Wirtshausgäste entzog. Da blieb er stehen und sah sich vorsichtig um. Als er weit und breit niemand sah, ging er von der Straße ab in den Wald hinein. Hinter einem Gebüsche machte er wieder Halt und hielt Ausschau.

Jetzt war er überzeugt, daß ihm niemand nachgegangen war; er schritt rüstig bergauf und kam bald an eine Waldlichtung, in deren Mitte eine alte Lärche stand.