»Seht da, ein Münchner, der sich erst an den Himmel gewöhnen muß!«
Und ernster sagte er zu Angermayer: »Nun geh' und freue Dich und bedenke, daß manches in Deinem armseligen Leben Strafe verdient hätte. Aber es ist Dir Mitleid erwiesen worden.«
Der Sekretär merkte am Tone, daß der Heilige als Vorgesetzter gesprochen hatte, und er schwieg.
Ein lebhafter Jüngling mit hüpfendem Gange, der genau so aussah wie einer aus der Schwabinger Stefan-George-Gemeinde, faßte ihn bei der Hand, indem er in singendem Tone sprach:
»Komm, seltsamer Geist, ich will Dich führen.«
In dem Postsekretär regte sich wohl sogleich die grimmige Abneigung gegen die Art seines Begleiters, aber er war zu niedergedrückt, um die rechten Worte zu finden, und er schritt griesgrämig und schweigsam neben dem Engel einher.
Der wurde nun gesprächig und erklärte dem Neuling die Grundidee des paradiesischen Lebens.
»Du mußt wissen,« sagte er, »daß hier alles auf unendliche Fröhlichkeit gestimmt ist. In den obersten Regionen, wohin wir ja nicht gelangen, befinden sich die erhabenen Geister, welche in fortlaufenden Gesprächen ihrer unbeschreiblichen Freude Ausdruck verleihen. Die Heiligen befinden sich in Verzückung, die Engel musizieren, und Du hörst ja die erhabenen Klänge des Konzertes, wir andern aber, zu denen Du nun auch gehörst, bilden die Heerschar der Seligen, und wir haben die Aufgabe, nach unsern bescheidenen Kräften den Eindruck des höchsten Glückes hervorzubringen.