»Och.... och!«

Eigentlich hatte Papa ja recht.

Natürlich nicht mit seiner taktlosen Manier, fortwährend Witze zu machen über das Kunstverständnis seiner Familie, aber so im allgemeinen und überhaupt.

Wenn man es sich nur eingestehen wollte, war es nicht doch furchtbar ermüdend, immer und immer diese Heiligenbilder zu sehen?

Der Kopf wurde einem wirblig davon, und dann, war eigentlich nicht eins genau so wie's andere? Und sich förmlich die Beine in den Leib stehen vor den ganz berühmten Gemälden!

Und dieser innerliche Zwang, von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu laufen, und eine förmliche Angst, seine Aufgabe für den Tag nicht gemacht zu haben! Wie in der Schule!

Nee! Das reine Vergnügen war's gewiß nicht! Schön is anders!

Allmählich erst lebt man sich in einer fremden Stadt ein, aber dann bemerkt man erstaunt, daß die Art, sich zu unterhalten, gewissermaßen europäisches Gemeingut und darum auch hier eingebürgert ist. Papa findet es in der birreria, wo man frisches Pilsner trinkt und sehr lange sitzen bleiben kann; die Damen finden es im tea-room, wo alle heimatlichen Genüsse sich darbieten. Winselnde Geigentöne und der letzte Operettenkitsch, auch one und two step, Süßigkeiten zu essen — toltschi, wie Mama mit täglich sich mehrender Kenntnis der italienischen Sprache sagt — junge, merkwürdig hübsche Offiziere, ganz moderne, merkwürdig schicke Frühlingshüte, und kurz und gut, Klang und Duft des internationalen tea-room, in dem Punkt 5 Uhr nunmehr wohl das ganze faulenzende Europa sich begafft, anbietet und entgegennimmt. Die Damen erholen sich von der Qual der Museumsbesuche und wiegen sich in süße Träume bei den Klängen des letzten grauslichen Walzers.