Heimkehr.
Papa sehr aufgeräumt über die Aussicht, in zwei Tagen sämtlichen Gewohnheiten wieder frönen zu können, Mama innerlich ebenso glücklich, nun bald von der Fahrt nach dem schönen Süden erzählen zu dürfen und dabei von ihren Unbequemlichkeiten erlöst zu sein, die Töchter in Wonne schwimmend.
»Eigentlich,« sagt Papa, »eigentlich war diese Reise doch kolossal interessant und belehrend. Man mag über Italien denken, wie man will, aber so das rechte Verständnis für das Schöne in der Kunst gewinnt man doch nur hier. Man hat zuletzt 'n ganz andern Blick für Kunstgegenstände, aber es is doch famos, daß wir wieder heimkommen.«
Eine ablehnende Handbewegung von Mama läßt ihn verstummen.
Frauen sind doch wirklich unehrlich und haben ungemein schauspielerisches Talent.
Vielleicht in keiner Sache und vielleicht noch nie war Mama innerlich so einig mit ihrem Gatten wie in dieser Ablehnung des Tschinquetschento und der aufgezwungenen Bildungsweise, und dabei konnte sie in ihre Augen den geradezu frappanten Ausdruck des Schmerzes über seine Unbildung legen!
Dabei konnte sie so träumerisch und sehnsüchtig zum Fenster hinaussehen, als zögen sie übermächtige Gefühle zurück nach Florenz — Firenze, wie sie stets auf Postkarten schrieb — als wäre ihr Durst nach den Herrlichkeiten der Renäsanxe noch lange, lange nicht gestillt!
So täuschend machte sie es, daß er, der gewiegte Kenner ihrer nüchternen Seele, beinahe daran glaubte.
Hinterhalb Mailand, in Zürich, wäre sie um ein Haar aus der Rolle gefallen.
Man hatte dort Station gemacht, und beim Frühstück im Hotel, als Honig, Käse, Butter und Wurst lieblich ausgebreitet lagen, rief Papa: »Nee, Kinner, sagt mir, was Ihr wollt! Kunst ist gut, Kunst verschönt das Leben, aber so'n Frühstück im Schweizer Stil ... Kinner, da kann Italien nich ran!«