Da hat der Zug gepfiffen, und sie ist herausgestiegen und hat geschrien: „Ach Gott! ach Gott! Da seid Ihr ja alle! Oh, wie ich mich freue! Helft mir nur, daß ich mein Gepäck herauskriege!“

Sie hat in den Wagen hineingerufen, die Schachtel gehört ihr, und der Koffer unter dem Sitz gehört ihr, und die Tasche oben gehört auch ihr und hinten der Käfig mit dem Papagei. Ein Mann hat ihr alles herausgetan, und sie hat es mir gegeben, aber ich habe gesagt, der Koffer ist zu schwer, ich kann ihn nicht tragen. „Aennchen hilft Dir schon,“ hat sie gesagt, „Ihr seid jung und stark. Aber mein Lorchen trage ich selber.“ Dann ist sie zu meiner Mutter hingegangen und hat sie geküßt und hat gerufen: „Ich bin froh, daß ich Dich gesund sehe, ich habe oft so Angst wegen Deinem Herzleiden, aber gib acht, daß Du nicht an den Käfig kommst, mein Lorchen kann das Schütteln nicht vertragen.“

Meine Mutter hat den großen Koffer angesehen und hat gemeint, es ist vielleicht besser, wenn ihn der Stationsdiener tragt, aber die Tante hat gesagt: „Nein, ich gebe es nicht zu, daß Du Auslagen hast; die Kinder werden schon fertig damit.“

Aennchen hat es probiert. Es ist nicht gegangen, weil er zu schwer war. Da ist der Alois gelaufen gekommen, das ist der Stationsdiener, und er hat den Koffer genommen.

Die Tante hat wieder zu meiner Mutter gesagt, es ist ihr nicht recht, daß wir Auslagen haben, und sie hat nicht gedacht, daß Aennchen so schwächlich ist. Aber es fällt ihr ein, daß sie schon als Kind zart war. Vielleicht hat sie etwas geerbt von dem Herzleiden von meiner Mutter.

„Ich bin aber, Gott sei Dank, gesund,“ hat meine Mutter gesagt, „und der Arzt findet nichts mehr.“

„Ja, die Aerzte!“ hat die Tante gerufen. „Bei meinem armen Joseph haben sie auch nichts gefunden, bis er tot war, und oft wollen sie es einem nicht sagen.“

Dann sind wir heimgegangen. Unterwegs hat Aennchen zu mir gewispert: „Du wirst sehen, Ludwig, sie bleibt die ganze Vakanz.“

„Das glaube ich nicht,“ habe ich gesagt. „Wenn sie bleiben möchte, finde ich schon etwas, daß sie geht.“