„Seppl,“ sagte er, „i hob Dir Unrecht to. I ko des alles net guat macha. Aber des Beste, des Liabste, wos i hob auf dera Welt, des gib i Dir, dort, mei Loni!“

„Freihofbauer, Du bist an edla Mensch!“ sagte der Kranke, „an Deiner Loni will i des Guate vergelten, wos Du mir to hast...“

Lange verharrte die Gruppe, zu der sich inzwischen der Wirt und ein fremder Herr gesellt hatten, in schweigender Rührung. Der Freihofbauer unterbrach die Stille.

„Jatzt sog mir nur grod, Seppl, wia is des mögli, daß Du no am Leben bist von dem jachen Fall? Do muaß insa Herrgott a Wunda to ham.“

„Des hot er aber aa,“ erwiderte der Kranke. „Siegst, Baua, wia i vo Dir wegg’stürzt bi, is auf oamal schwarz vor meine Augen worn, da Boden is mir unter die Füaß vaschwunden, und i fall in den klaftertiafen Abgrund. I hob Reu und Leid g’macht, und hob mi in mei Schicksal ergeben. Da g’spür i über mi im Fallen an Flügelschlag, und in dem Augenblick packt mi was fest bei meiner buchsbaamen Hosen und krallt sie ei, und tragt mi weg. A Lämmergeier is g’wen, a mentisch großer; der hot mi wohl för a Gambs g’halten oder so was. Und so g’fährli des Viech aa sunst in insere Berg doherinna is, desmol is da Raubvogel mei Retter g’wen. I hob no g’spürt, wia r’a tiafer und tiafer mit mir weg g’stricha is. Auf oamal hon i wieda an Boden g’spürt, und nacha woaß i nix mehr.“

„Des ander woaß i,“ fiel der Wirt ein, „mei Knecht is über d’ Almwiesen ganga und siecht, wia da Geier was am Boden fallen laßt. Er schreit und lafft zuawi, und find zu sein Schrecken an Seppi...“

Der Freihofbauer hatte schon längst den Hut abgezogen. Tränen liefen über seine gebräunten Wangen, als er jetzt die Augen zum Himmel aufschlug und mit tiefer Stimme sagte: „Ja, des is wahrli a Wunda!“ Auch der Fremde hatte in sichtlicher Rührung die Erzählung gehört. Er trat jetzt vor und sagte: „Härn Se, nächst Gott verdanken Sie Ihre Rettung der ledernen Hose, die das alles ausgehalten hat. Ei cha!“

Loni aber beugte sich über ihren Bräutigam und küßte den Geretteten lange und innig.