Am 26. März kam dieser Brief in geheimer Magistratssitzung zur Sprache.
Herr Bürgermeister Dr. Pilzweyer hatte ursprünglich die Absicht gehegt, und diese Absicht auch gegenüber dem Magistratssekretär Weigel kundgetan, die Eingabe der Hirgstettner zu perhorreszieren, aber eine Notiz im Volksboten brachte denn doch die Sache in Gang, da man nun befürchten mußte, daß weitere sehr unangenehme Preßerörterungen das stille Begräbnis der Anklage verhindern würden.
Also ging man daran, die Angelegenheit amtlich, wenn auch nicht ernstlich, zu behandeln.
Denn schon die Miene des vorstehenden Sekretärs verriet die merkwürdige Neigung, diese Herzensnöte einer Frau als Spaß zu betrachten, und ein den Vortrag begleitendes Lächeln des Bürgermeisters schien die Anwesenden aufzufordern, auch ihrerseits den Humor des Schriftstückes zu erkennen.
Allein Magistratsrat Mühlberger, ein angesehener Bäckermeister, konnte trotzdem seinen aufsteigenden Zorn nicht meistern und sprang sogleich auf, indem er rief:
„Dös san ja Insinationa! Hat ma scho so was g’hört von so an alt’n miserablinga Trankhafa? Dös san ja Insinationa!“
„Herr Magistratsrat,“ sagte der Bürgermeister in verbindlichem Tone, „wir können und wollen uns über dieses Schriftstück doch wahrhaftig nicht aufregen — —“
„Sie Eahna net! Aber i!“ schrie Mühlberger. „Dös san ganz oafach Insinationa! Und dös sag’ i!“
„Wir werden später darauf zurückkommen,“ sagte immer lächelnd Herr Dr. Pilzweyer. „Aber,“ fuhr er fort, indes er seinen Kneifer abnahm und ihn spielend an der Schnur pendeln ließ, „ich muß nun wohl das tatsächliche Material den Herrn unterbreiten.“
„Es handelt sich hier,“ sagte er und lehnte sich zurück, indes er jedes Wort mit verstandesmäßiger Betonung aussprach und im Wohlklange seiner Rede schwelgte, „es handelt sich hier zweifellos um das Haus Nummer 104a, als welches zu Eigentum der Witwe des verstorbenen Realitätenbesitzers Leonhard Hirgstettner im Grundbuche vorgetragen ist, — und welches sich auf der nördlichen Seite der ehemaligen Bachleitergasse, jetzt Prinzregent Luitpoldstraße befindet. Gegenüber von diesem Hause ist die Gast- und Tafernwirtschaft zum Schimmel, welche von den Eheleuten Johann und Maria Leutgschwendtner betrieben wird.