Dieses Gasthaus erfreut sich des Besuches gerade der Honoratioren.“
„I g’hör aa dazua,“ fiel hier die Baßstimme des Magistratsrates Haslinger ein.
„Gerade der Honoratioren,“ fuhr der Bürgermeister fort, indes ein Lächeln über seine Züge flog, „und man begegnet dort außer angesehenen Bürgern“ — er machte eine leichte Verbeugung nach der Richtung, wo Haslinger und Mühlberger saßen — „man begegnet dort Offizieren, Angehörigen des Beamtenkörpers, also Herren, denen eine Störung der Ordnung, ein Zuwiderhandeln gegen Sitte und Anstand niemals, ich betone das, niemals zuzutrauen wäre!“
„Dös moan i halt aa,“ rief Mühlberger ...
„... Zuzutrauen wäre. Die streng vertraulich gepflogenen Recherchen haben ergeben, daß vielleicht hier und da einer der Herren, dem Zwange und Drange der Natur folgend, ganz gewiß in unauffälligster Weise ...“
„Bitt ums Wort!“ schrie Herr Haslinger.
„Sogleich! Sie werden das Wort sogleich erhalten, Herr Magistratsrat ... also in diskretester Weise jenem Drange vielleicht Folge leistete. Aber eine Beschuldigung wie diese hier“ — Herr Dr. Pilzweyer klopfte, nun ernster werdend, auf das Schriftstück — „eine solche Beschuldigung ist frivol. Ich stehe nicht an zu sagen, es ist ein starkes Stück von Frivolität.“
„An Insination is!“ rief Mühlberger ...
„Eine haltlose Verdächtigung, und ich erteile nun, bevor ich einen Antrag stelle, das Wort dem Herrn Magistratsrat Haslinger.“
Dieser, von Beruf Brauereibesitzer, ein beleibter Mann von stattlicher Größe, erhob sich, und da er gerade geschnupft hatte, zog er ein blaues, geblümtes Taschentuch von der Größe einer Serviette aus der Tasche und entfernte von Bart, Weste und Rock die Tabakreste. Dann begann er in jovialem Tone zu reden. „Also, meine Herrn, de Sach’ is eigentli ganz oafach; und i muaß scho sagn, daß ma über so was überhaupts red’n muaß, dös g’hört aa zu de Erscheinunga der Neuzeit. Also i sag ganz oafach, de Beschwerde von dera ... Beißzanga da ... is eigentli a Frechheit ersten Grades. Indem daß also Familienväta und verheirate Männa, und daß ma ’s scho glei sag’n, lauta Leut, de wo eppas san und de wo eppas hamm und de wo eppas vorstell’n — net — lauta richtige Leut — net —- indem daß diese Leute a so hingestellt wern als wia Sittlichkeitsverbrecher — net — und von an solchen alt’n Trankhafa, bei der ma sie do überhaupts nix mehr denkt ...“