Der Bürgermeister rührte an der Glocke. „Ich möchte den Herrn Magistratsrat bitten, im Interesse einer sachlichen Behandlung ...“

„Net unterbrecha!“ sagte Haslinger grob. „Sie hamm dös überhaupts a bissel gern, Herr Bürgermoasta, und i sag ’s Eahna, daß über dös bereits Stimmen laut geworden sind.

„Über diese Unterbrecherei von Eahna. Da kimmt ma ja aus ’n Thema außi! Also, meine Herrn, daß i ’s kurz sag, seit i ins Wirtshaus geh, und aa früherszeit, wia no mei Vata ganga is, und natürlicherweis mei Großvata grad so, also da woaß ma’s nia anderst, als daß ma vom Wirtshaus außa ... no ja ... in Gott’s Nam ... Sie verstengan mi scho. I möcht überhaupts sag’n, dös is an alts Recht! Wenn ma so seine vier, fünf oda sechs Maß Bier trunka hat — no ja — in Gott’s Nam! De Damenwelt is do um de Zeit nimma auf da Straß, und so lang unser Dornstoa steht, hat ma dös net anderst g’wißt. Jetzt auf oamal kam de Mistamsel, de abscheilige daher ... Theans mi net unterbrecha, sag i, Herr Bürgermoasta, — jetzt kam de daher und möcht ins des alte, guate Herkomma für an Unsittlichkeit histell’n. Aba i sag bloß dös, solchena Beleidigunga, solchena neumodische Unverschämtheiten, von dera grauslinga Beißzanga, diese prallen an unserer Brust ab!“

„Brafo! Brafo!“ riefen die Magistratsräte und patschten auch lebhaft in die Hände, so daß Herr Haslinger sich dankend noch einmal halb vom Stuhle erhob und wiederholte. „Sie prallen ab, sag i, und mehra sag i net ...“

„Dös Luada mit ihre Insinationa!“ rief Mühlberger, worauf sich der Herr Bürgermeister räusperte und also begann:

„Meine Herren! Nach den bemerkens- und auch dankenswerten Ausführungen des Herrn Vorredners, nach diesen von den Tönen eines beleidigten Ehrgefühles durchzitterten Worten erübrigt mir jetzt nur ... wie?“

„Ich bitte ums Wort!“ sagte zum zweiten Male der Buchbindermeister Kallinger ...

„Ach so! Pardon! Der Herr Magistratsrat Kallinger hat das Wort.“

„Meine Herren!“ sagte dieser, ein Freund feinerer Bildung, der einige Jahre in Norddeutschland befindlich gewesen war, ... „meine Herren! Ich glaube fürwahr mit Recht behaupten zu dürfen, daß ich einige Erfahrungen besitze in betreff nämlich der Sitten und Gebräuche fremder Städte ...“

„Geh, hör auf!“