Am 29. des gleichen Monats brachte der „Volksbote“ einen geharnischten Artikel über „Korruption“:

„Es ist einem Häuflein Bevorzugter gelungen, dem Gesetz ein Schnippchen zu schlagen ... usw. ... bis ... wir erinnern aber an das so wahre Sprüchwort justitia fundamentum regnorum, welches denn doch auch in Dornstein einige Geltung haben dürfte ...“

(Siehe Beilage 5 im Akt: Beschwerde der Ursula Hirgstettner usw.)

Am Abend des 1. April brannte im Hause der Frau Hirgstettner das Gaslicht nicht mehr. Tagsüber hatten zwei städtische Arbeiter sich an der Leitung in der Luitpoldstraße zu schaffen gemacht und jede Auskunft verweigert. Als nun Frau Offiziant Koppenwallner, welche in dem Hirgstettnerschen Hause wohnte, im Gange Licht machen wollte und immer wieder den Gashahn aufdrehte, blieb es dessenungeachtet dunkel.

Obwohl sofort eine Magd zum Leiter der Gasanstalt geschickt wurde, kam niemand zur Abhilfe. Auch den 2. und 3. April ließ sich der städtische Installateur nicht blicken.

Am 4. April ging Frau Ursula Hirgstettner selbst im Zustande der höchsten Aufregung, da die Familie Koppenwallner sofort kündigen wollte, zu Herrn Gasanstaltsdirektor Pfrombeck und stellte ihn entrüstet zur Rede.

„Nur net so hitzig!“ sagte Herr Pfrombeck gelassen. „Am Gas fehlt’s net, aba wahrscheinli fehlt’s an der Leitung. Vielleicht hamm S’ dös letzte Quartal net zahlt?“

„Dös tat i mir scho verbitt’n! I bin meiner Lebtag nix schuldi blieb’n ...“

„Ja no! Na werd’s wo anders fehl’n. Mi geht dös nix o. De Gasleitung hat da Herr Magistratsrat Mühlberger unter sich. Da müassen S’ zu dem geh’ und frag’n.“

Nun ging der Frau Ursula Hirgstettner allerdings ein Licht auf, aber als resolute Witwe ging sie unverzagt in den Kampf um ihr gutes Recht und in den Laden des Bäckermeisters und Magistratsrates Mühlberger.