In die engere Wahl kamen nur zwei Herren: Anton Gumposch und der pensionierte Leutnant Hans Mühlritter, denn es stand fest, daß kein Beamter sich der Aufgabe widmen durfte, weil die Expedition nicht geheimbleiben konnte und sollte.
Gumposch, ein mit dem Kodex der ritterlichen Pflichten vertrauter Mann, mußte die Wahl ablehnen, da er schon in anderer Eigenschaft, als Ratgeber und eventueller Sekundant, dem Menschen, nämlich Herrn Georg Pfaffinger, nähergetreten war, und so blieb nur Mühlritter übrig, der, ohne einen Augenblick zu zögern, seine Zusage gab.
„Für einen alten Soldaten,“ sagte er, „gibt es da kein langes hin und her. Man stellt sich auf den Posten. Bong!“ Alle dankten ihm herzlich, fast lärmend, und Gumposch, der, wie immer, den günstigen Augenblick ersah und das Richtige traf, bestellte eine Flasche guten Rheinweines.
Unter ihrem Einflusse wurde Mühlritter sehr gesprächig, und da er in seinem Leben wohl nie derartig in den Mittelpunkt des Interesses gestellt gewesen war, nützte er diese einzige und späte Gelegenheit nach Kräften aus.
Er war durch den magersten Ruhegehalt gezwungen, als Inspektor einer Lebensversicherung Nebenverdienst zu suchen, und in dieser Eigenschaft hatte er sich eine hinströmende und bilderreiche Redeweise angeeignet.
So verbreitete er also eine Atmosphäre von Ritterlichkeit und rauher Soldateska um sich und gab zu verstehen, daß solche Gänge, wie der vorhabende, zu seinen Gewohnheiten gehört hätten in jenen Tagen, die er mit Zungenschnalzen und Verdrehen der Augen seine tolle Leutnantszeit hieß.
Da Gumposch fleißig einschenkte und die Tafelrunde ihn mit Wohlwollen anhörte, geriet er immer tiefer in seine waffenklirrende Vergangenheit und berichtete Abenteuer, als wäre er bei Pappenheims Kürassieren gestanden und nicht im glorreichen Jahr 1866 zum Leutnant auf Kriegsdauer ernannt worden, und er überschüttete die Krämer, Brezelbäcker und Kälberstecher Dornsteins mit unsäglicher Verachtung, ganz vergessend, daß sie seine Mitbürger und Gläubiger waren.
Als die Mittagsglocke läutete, erwachten alle Familienväter aus ihren Heldenträumen und erhoben sich.
Junker Hans Mühlritter sah jedem vielversprechend ins Auge und teilte derbe Händedrücke aus und vermaß sich noch einmal und immer wieder, er wolle noch desselbigen Tages ein Feuerlein anschüren, an dem die Frechheit Pfaffingers wie Butterschmalz zergehen werde.
Dann blieben sie zu dritt am Tische sitzen, der Leutnant-Inspektor, Anton Gumposch und Tresser.