Die Gläser klangen hell und häufig aneinander, und Mühlritter trank, wie es recht war, Bruderschaft mit dem Jüngling, dessen Fehdebrief er dem Gegner überbringen sollte, und der Korpsphilister Gumposch hielt nicht an sich, sondern bot dem alten Kriegsknecht das traute „Du“ an und küßte ihn auf das weinsäuerlich duftende Maul.
Und ein rauhes Wort gab das andere, und jugendliche Abenteuer tauchten auf und verschwanden wieder im Nebel des Zigarrenrauches, und Tresser versank in tiefe Traurigkeit darüber, daß sein Feind nicht auf dem Plan erscheinen werde.
„Und nacha,“ so erzählt die Kellnerin Zenzi, „und nacha hat der Herr Gumposch an Schampaniger zahlt, und da san ’s allaweil b’suffener worn, und der notige Leitnant is auf an Sessel durchs Zimmer g’ritt’n und hat kummadiert, und de andern san hinter eahm drei’ g’ritt’n, und wenn er Galopp g’schriean hat, sans mit die Stühl so umanandbockelt, daß zwoa brocha san, und g’sunga ham ’s, und da Herr Gumposch hat mit sein Steck’n umanandg’fuchtelt, als wenn er an Sabl in da Hand hätt’, und nacha hat er a Lamp’n aba g’haut, und nacha san ’s hoam.“
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Nicht alle gingen heim, wie Zenzi glaubte, sondern Junker Hans marschierte über den Stadtplatz, und obwohl er krampfhaft sein Ziel, den Eingang der Hafnergasse, ins Auge faßte, landete er dennoch in schräger Linie seitab davon auf dem jenseitigen Bürgersteig und gelangte erst nach mehreren Schwierigkeiten vor die Wohnung der Frau Holdenried, welche erschrocken über den heftigen Klang der Glocke herausstürzte.
Der ihr nicht unbekannte Inspektor der Assekuranzgesellschaft Bolivia gab sich die größte Mühe, finster und ahnungsschwer auszusehen und das selige Lächeln aus seinem Antlitze weichen zu lassen.
Er fragte mit hohler Stimme, ob ein gewisser Georg Pfaffinger anwesend und gegenwärtig sei.
„Nein, der komme erst in einer guten Stunde heim, und Jessas — Jessas na! was es denn schon wieder gebe?“
„Nichts für Weiber!“ war die Antwort, und da schaute nun die gute Witwe Holdenried dem über die Treppe hinab Polternden in banger, aber ungestillter Neugierde nach und faltete die Hände ineinander, wie es die Frauenzimmer in solchen Lagen tun.
„Jessas na! Also seit zwei Täg’ is keine Ruh und kein Fried mehr im Haus ...“