„Was für a Liesel?“
„Irgendeine; ich meine irgendein Mädchen, das nächstbeste Mädchen hören Sie singen ...“
„Bal i aba koane hör’?“
Herr Doktor Habergais sah mit einem gramvollen Zug im Gesichte sein Gegenüber an, und er fühlte, wie eine nervöse Abspannung, ein prickelndes Gefühl den Rücken entlang seinen Eifer vermindern wollte; aber er gab sich einen Ruck, er lächelte, er klopfte Herrn Hirtner mit der flachen Hand auf die Schulter, obwohl sich ihm die Finger krümmten, obwohl sich ihm die Hand ballen wollte. „Verstehen Sie mich wohl, Matheiser, Sie hören schon eine, oder Ihr Nachbar hört eine, oder Ihre Frau hört eine ...“
Habergais sprach jedes Wort scharf und gereizt aus. „Gut also, irgend jemand hört irgendeine“ — es klang wie ein Befehl —, „verstanden, dann gehen Sie zu ihr hin und sagen: Meine liebe Liesel ...“
Hier wollte nun Hirtner doch nicht länger schweigen.
„Was für a Liesel?“
„Herrgott, Mensch! Matheiser, will ich sagen, Liesel, Anna, Marie, ganz wurscht, wie sie heißt; Sie sagen zu ihr: Mein liebes Mädchen“ — Habergais machte hinter jedem Wort eine Pause und schrie das nachfolgende um so lauter —, „mein liebes Mädchen, du hast soeben ein Lied gesungen. Welches ist der Inhalt desselben? Sprich mir die Worte vor, oder, noch besser, schreibe sie mir auf! Das sagen Sie zu ihr! Haben Sie mich jetzt verstanden, Matheiser?“
„Na!“
Der Rechtsanwalt setzte sich und blickte zu Boden, während eine fliegende Hitzwelle von seinem Nacken über die Ohrlappen hinzog, während seine Stirnhaut pelzig wurde, bis dann ein erlösender Schweiß ausbrach.