„Ich möchte mit niemand tauschen,“ erwiderte Frau Mertens, „obschon manches vorkommt, was einem Sorgen macht. Denken Sie sich, wir haben fünfzehn Jahre lang romantisch gedichtet, und jetzt geht das nicht mehr, und wir müssen modern schreiben, oder realistisch, wie man auch sagt. Das ist ein Schlag, kann ich Sie versichern! Mein Mann wollte noch immer nicht, aber was kann man gegen die Kritiker machen?“
„Erlauben Sie mir die Bemerkung, gnädige Frau, daß ich da ganz auf Seite Ihres verehrten Gemahls stehe,“ rief Herr Diestelkamp, „wir wollen gerade in unserer nüchternen Zeit die Romantik nicht missen, und wir suchen bei unsern Dichtern die herrliche Quelle der ... den ... den Ritt in ... ich wollte sagen, wir wollen immer noch einen Trunk aus der romantischen Quelle schlürfen.“
„Es geht nicht,“ sagte Frau Mertens mit einer Schärfe, die erraten ließ, daß man hier auf ein eheliches Streitthema gekommen war; „es geht durchaus nicht. Das nächste Stück muß er modern schreiben. Ich will nicht, daß die Zeitungen noch einmal von veralteter Manier schreiben, oder daß die Frau Nathusius die Nase rümpft, wenn sie mir begegnet, weil ihr Mann schon dreimal hochmodern gedichtet hat.“
„Aber die romantische Muse Ihres Mannes wird sich dagegen sträuben,“ sagte Direktor Höfler.
„Sie hat sich gesträubt,“ rief die streitbare Frau und blickte dabei mit einiger Strenge auf ihren Mann, der den endlich weinenden Rettig aß; „sie hat sich allerdings gesträubt, aber das ist jetzt vorbei. Ich muß es auch aushalten, und wenn es noch schlimmer wird bei den zweiten Akten.“
„So geben also auch Sie den Ritt ins alte romantische Land auf?“ fragte Diestelkamp, der sich nun auf das Zitat besonnen hatte, mit starkem Pathos.
„Tja ...“ antwortete der Dichter.
[Der Biedermann]
Der alte Buchberger Hans saß auf der Hausbank und ließ sich so behaglich wie die Katze neben ihm die warme Märzensonne auf den Pelz brennen. Auf dem Dache zerging der letzte Schnee, und eintönig plätscherte es von der Rinne auf die Kieselsteine. Drüben am Waldrande lag schon ein grüner Schimmer über den Sträuchern, und dem Hans kamen fröhliche Gedanken von schönen Tagen und Wiederaufwachen aus langem Schlafe.
Zufrieden patschte er sich auf das linke Knie und rieb ein wenig daran.