Luise ist die Schwester von

Friedrich Förster, geb. am 24. Sept. 1792, des tüchtigen Mannes, der das Schwerdt wie die Feder zu führen verstand, der weder im Kriege noch im Frieden hinter’m Berge hielt, der manch’ kühnes Wort sprach, ohne die anhänglichste Treue für den Thron in Zweifel zu stellen, und dem deshalb der berliner Witz den Beinamen „der Hofdemagoge“ beilegte. Preußischer Offizier kehrte er 1815 mit dem Ehrenzeichen der Tapferkeit geschmückt aus Frankreich heim, und zeigte sich als Lehrer, Historiker, Publicist, Redakteur und Dichter nach allen Richtungen, in den verschiedensten Gebieten. Oftmals hat er für momentane Zeit- oder Gelegenheitsstimmungen auf bewundernswerthe Weise den Ton getroffen, und Lieder von ausnehmender Schönheit geliefert, in Ernst und Scherz. Wie lange galt sein „Demagogisch: Es wollt’ einmal im Königreich &c.“ für eine Schöpfung Goethe’s, und als solche für eine der genialsten! — Er ist lange jung geblieben, auch mit ergrauendem Haare, und nachstehender burschikos-gemüthlicher Brief des Fünfundzwanzigjährigen liegt dem Wesen des hohen Sechszigers noch gar nicht fern.

I.

V. J., d. 20st. Juni 1831.

Innigst verehrter Herr Hofrath,

Seit drei Tagen sitze ich unter den Heften meiner Zöglinge, deren Arbeiten mir zur Correctur vorliegen; Sie verzeihen mir daher gewiß, wenn ich, was ich gestern und heute mündlich thun wollte, aber leider nicht konnte, jetzt mit zwei Worten schriftlich thue.

Ich war am Sonnabend in Retzsch’s Hause, fand ihn aber nicht und erfuhr, daß er seit längerer Zeit schon seinen Weinberg bewohnt und nur Donnerstag in die Stadt kommt. Wünschen Sie es nun, so gehe ich künftigen Donnerstag oder Freitag, wo er auch noch hier seyn wird, zu ihm.

Athme ich morgen freier, so hole ich mir selbst Ihre Antwort.

Mit immer treuer Verehrung und Liebe