Mit meinen Calderonischen Uebersetzungen ist es wahrscheinlich aus. Malsburg (dessen reinem Eifer ich übrigens alle Gerechtigkeit widerfahren lasse) hat meinem Unternehmen den ersten Stoß versetzt, den zweiten der jämmerliche Bärmann, nicht durch die Vorzüglichkeit (obwohl auch diese ihre Lobpreiser gefunden hat), sondern durch die Wohlfeilheit seiner Uebersetzungen. Das Publicum ist mit Calderon übersättigt, zumal wenn es für den Band mehr als 6 Groschen bezahlen soll. Meine Uebersetzung liegt, wie der Verleger sich ausdrückt. So liegt auch der Tasso seit geraumer Zeit, und dem Ariost wird es wahrscheinlich nicht besser gehen. Meine guten Verleger verstehen sich nicht auf’s Posaunen, und ich noch weniger; und so müssen wir den Gewinn den Nachdruckern und den Ruhm den Nachübersetzern überlassen.
Unter den letzten steht der fingerfertige Herr Streckfuß obenan, der durch seine vielen litterarischen Freunde meine Uebersetzungen meistens zu verdrängen gewußt hat. Als dieser Edle seinen Ariost herausgab, machte er mir in vollem Ernste den Vorschlag, wer von uns zuerst stürbe, sollte seine Arbeit dem Ueberlebenden zu freier Benutzung vermachen. Da ich hierauf nicht einging, hielt er vermuthlich bei seinem Tasso eine ähnliche Formalität für überflüssig und benutzte den meinigen dermaßen, daß er einen große Menge von Versen theils wörtlich, theils mit ganz geringer Abänderung, in seine Uebersetzung aufnahm. Ich habe mich für diese Freibeuterei nicht weiter gerächt, als durch einige ungedruckte Xenien, die freilich nicht in die Kategorie der zahmen gehören; z. B.
Höflich trug er sich an zu Rolands Erben im Todfall;
Unter den Lebenden, grob, hat er den Tasso beerbt.
Nicht den Fuß nur allein streckt Streckfuß, auch wohl die Finger
Streckt er, wenn es ihm frommt, aus nach des Anderen Gut.
Wünschest Du Brutus zu sehen mit Pantalon, Frack und Cravatte
Als Zierbengel, so lies Dante von Streckfuß verdeutscht.