Ihr treuer F. Hr. v. d. Hagen.

Reimer will allerdings für den Abdr. der Urschrift, den Sie gütigst verstattet, Honorar geben, aber nur in Büchern: in diesem Jahre möchte der Druck auch kaum beginnen.

III.

Breslau, d. 20sten Jan. 1818.

Theuerster Freund;

Ich denke, besser spät als nie: darum komme ich heute noch mit dem Ortneit, ob er etwa noch zu der Sammlung Altd. Gedichte zu rechter Zeit kömmt. Zuvor aber ist die Frage, ob er auch dazu paßt. Ich habe ihn nochmals ganz umgeschrieben (daher die Zögerung), in der Art, die ich jetzo für solche Arbeiten gut halte; und bitte Sie nun, mir recht bald zu sagen, ob Sie das Lied so gebrauchen können; worauf denn auch der Wolfdietrich, der genau dazu gehört, bald folgen soll. Finden Sie zu große Verschiedenheit, so senden Sie mir die Handschrift zugleich zurück. Ich meine aber, es kömmt bei solcher Sammlung nicht so sehr auf Gleichartigkeit an.

Dabei erhalten Sie die längst schuldige Wolsunga-Saga, vielleicht auch bald die Ragnars- und Nornagest’s-Saga. Möge Ihnen, dem trefflichsten Verdeutscher, mein Deutsch nicht ganz mißfallen. Die ebenfalls beifolgenden Psalmen bitte ich als eine kleine Zugabe anzunehmen: für die Sprache sind sie gewiß sehr wichtig. Sie gehören auch in die Reihe meiner Arbeiten, die Sie doch alle haben müssen; weil ich mir keinen liebern Leser zu denken weiß. So haben Sie gewiß auch kaum einen theilnehmenderen Leser, als ich bin: und eben habe ich durch Reimer ein großes Pack Ihrer Bücher erhalten, worunter das deutsche Theater mich höchst anzieht, aber noch beim Buchbinder ist. Den Fortunat dagegen habe ich alsbald meiner Frau (die Sie herzlich grüßt und mich recht oft nach Ihnen frägt) vorgelesen, und jeden der Abende freuten wir uns ordentlich kindisch auf die Fortsetzung, und wollten am Ende gern noch mehr hören. Ihre unsichtbare Nähe ist darin gar zu anziehend. — Nun haben wir doch bald den Shakspeare zu hoffen?

Hiebei eine Bitte für meinen Verleger Max, der gar zu gern etwas von Ihnen zu drucken wünscht. Er ist ein sehr guter Mensch, der gebildeteste der hiesigen Buchhändler, und verehrt Sie höchlich, und wird dabei auch gut honoriren. Haben Sie also Kleinigkeiten, etwa Märchen, Erzählungen, so würde vielleicht Steffens und auch ich (wenn ich darf) etwas unter Ihre Flügel geben. Vor allen wünschte Max auch wohl das poetische Kartenspiel zu einem Kartenalmanach zu übernehmen. Sie wünschten es damals auch, und wollen Sie noch, so senden Sie es recht bald, und Ihre Bedingungen dabei: aber bald muß es sein, da bekanntlich die Almanache noch Bode’s astronom. Jahrbücher einzuholen drohen. Auch hatte Max von einem Freunde Kleist’s vor etlichen Jahren schon das Versprechen seines Nachlasses: wollen Sie ihm denselben überlassen, so würde er ihn auch gern nehmen.

Von meinen Arbeiten berichtet zum Theil die Beilage: das Heldenbuch scheint mir das nächste und wichtigste. Es kommen zu den genannten Stücken nun noch aus der einzigen Wiener Hds. Dietlieb und Bitrolf, ganz in der Art und Reihe, wie Dietrichs Flucht; und vor allen Chautrun, in der Stanze und Länge der Nibel. (die auch in der Hds. sind), und scheinbar Gudrun; ihr Vater ist Hagen, ihr Bewerber Hettel, und doch eine ganz verschiedene Fabel, Nord., nämlich zum Theil die Eddaische von Högni, Hilde und Hedin. Dabei im Ausdruck, Darstellung auffallend den Nibel. ähnlich und wol nachgebildet, obgleich manchmal als Vorbild erscheinend, — und gewiß das trefflichste nächst jenem höchsten der Lieder. — Nächstens mehr davon. Leben Sie recht wohl und gesund, empfehlen mich allen lieben Ihrigen und allen Freunden in Ihrem Zauberschloß und behalten mich lieb.

Der Ihrige