Novalis.

Geb. am 2. Mai 1772, gest. 1801 als Amtshauptmann zu Weißenfels.

Leider haben sich nur vier Briefe von seiner Hand in T.’s Nachlaß vorgefunden, die wir unverkürzt geben.

Ihnen folgen deren sieben von seinem jüngeren Bruder Karl, dessen Dichterberuf Friedrich lobend erwähnt, und welcher Freunden der Poesie unter dem Namen Rostorf erinnerlich sein wird, wenn gleich sein edles Streben keinen so hohen Flug nahm, daß er neben Novalis noch genannt würde.

Das Schreiben eines dritten Bruders, Anton, bildet den Schluß.

I.

Weißenfels, den 6ten August.
(Ohne Jahreszahl.)

So gern ich Dich, liebster Tieck, noch einmal besucht hätte, so wird mir doch dieser Wunsch durch eine plötzliche Reise unmöglich gemacht. Ich bringe einen meiner jüngeren Brüder nach Dresden — Du kannst übrigens denken, daß ich nicht böse bin, da ich so meine Julie besuchen kann — bey der ich Morgen Abend hoffentlich zu sitzen denke. Unterdeß hätt’ ich gewünscht, Dich und sie sehn zu können — doch weiß ich nicht, ob dies angehn wird, da ich wahrscheinlich über die Mitte des Monats in Dresden bleiben muß — und dann bist Du ja fort. Auf Michaelis hoff’ ich Dich hier zu umarmen. Mutter und Schwester laden Deine liebe Frau auf das freundlichste ein — und grüßen Sie herzlich im voraus. Auch mich empfiehl Ihr herzlich. Auch Deinen übrigen Verwandten sage, daß ich mich mit Liebe jenes frohen Abends erinnern werde, den ich unter Ihnen zugebracht habe — der so reich an mannichfachen Genüssen war und durch den schöne Art noch schöner ausgehoben wurde. Eine einfache Beschreibung gäbe ein liebliches romantisches Bruchstück.

Deine Bekanntschaft hebt ein neues Buch in meinem Leben an. — An Dir hab’ ich so manches vereinigt gefunden — was ich bisher nur vereinzelt unter meinen Bekannten fand. — Wie meine Julie mir von allen das Beste zu besitzen scheint, so scheinst auch Du mir jeden in der Blüthe zu berühren und verwandt zu seyn. Du hast auf mich einen tiefen, reitzenden Eindruck gemacht. — Noch hat mich keiner so leise und doch so überall angeregt wie Du. Jedes Wort von Dir versteh’ ich ganz. Nirgend stoß ich auch nur von weiten an. Nichts menschliches ist Dir fremd — Du nimmst an allem Theil — und breitest Dich leicht wie ein Duft gleich über alle Gegenstände und hängst am liebsten doch an Blumen.

Gehe ja Weißenfels nicht vorbey — ich freue mich mit der Ernsten jezt recht weitläuftig von Dir sprechen zu können.