In Ihre vortrefflichen, wenn auch nur flüchtig hingeworfenen Bemerkungen über das Nazionale stimme ich mit ganzer Seele ein, und von daher werden Sie den ersten gewagten Versuch an dem herrlichsten Denkmal des einst da gewesenen großen nazionalen Lebens theilnehmend entschuldigen, denn was stände sonst als Stoff für’s Nazional-Drama einladender da, als die reiche unerschöpfliche Quelle des Mittelalters und seiner noch früher vorangehenden Heldenzeit? — Streng haben Sie gerichtet, aber ich verehre auch in Ihnen den Meister, und jedes Wort war mir ein lehrreicher Wink.

Und so komm’ ich denn wieder, Ihrer gütigen Einladung zufolge, mit dem zweiten Versuch: Der Nibelungen Hort, und lege ihn wieder Ihrer geneigten und kritischen Prüfung vor. Ich bin der deutschen Sage ausschließend treu geblieben. Was ich erfunden, glaub ich, ist dem Geiste dieser Sage nicht entfremdet. — Der Raub des Magdthums, wie er im Liede dargestellt ist, war doch nicht dramatisch aufzufassen, und ihn hinter dem Vorhange zu halten, wäre noch ärger geworden. —

Nach einiger Zeit, wenn ich mit Siegfried fertig bin, was wohl in 5 Wochen sein dürfte, will ich Chriemh. Rache noch einer Revision unterwerfen, und in die ersten 2 Akte mehr dramat. Leben zu bringen trachten.

Da ich Siegfried mit dem Hort nach Wien senden will, um die Aufführung wenigstens des ersteren zu erringen — wenn die Riesen und die Zwerge im zweiten wieder Umstände machten — so bitte ich Sie, mir binnen 3 Wochen das beifolgende Manuscript nebst Ihrem Resultat gütigst zurückzusenden.

Nochmals empfehle ich mich Ihrer geneigten Aufmerksamkeit für mich, und wünsche nichts sehnlicher, als mich Ihrer Freundschaft in der Folge würdiger zu machen.

Mit der innigsten Verehrung

Ihr ergebenster

F. R. Hermann.