Das Gedicht wurde mit Verstand und Wärme gesprochen. Vorzüglich auszuzeichnen ist nach meinem Gefühl der junge Schwanfelder, den ich noch niemals so feurig-edel sprechen hörte.
Als der Schlußchor: „Mondbeglänzte Zaubernacht“ ausgeklungen hatte, erhob sich Steffens, der schon vierzehn Tage vorher förmlich darum sich beworben hatte, den Haupttoast auszubringen. Wir blieben Alle auf dem Chore, um am Schlusse seiner Rede in das von unten aus zweihundert Kehlen empordonnernde „Hoch!“ musikalisch einzustimmen; wobei besonders die Bestrebungen unsrer Frauen und Mädchen zu rühmen sind. Mad. Crelinger und meine Frau sangen ersten Tenor.
Nun war der Pokal — (dessen Unterschale leider nicht fertig geworden ist, und der deshalb auch erst später in Dresden eintreffen wird) von seiner Stelle einmal gerückt; nun ziemte es sich, ihn seine Wanderung beginnen zu lassen und dies geschah mit dem von mir gesprochenen Gedichte, welches überschrieben ist: „dem Mai.“
Ich darf übrigens als Berichterstatter, der eben so die materiellen wie die spirituellen Interessen im Auge haben mußte, weil er quasi Oeconom des Festes war, nicht verschweigen, daß während dieser Zeit ein gutes, künstliches Hühnerfrikassee und eine wohlgemeinte Mehlspeise mehr vertilgt, als geschont wurden. Auch zeigten sich Räusche.
Raumer glaubte nun das Andenken an Ihren Mitgebornen, den edlen Staatskanzler nicht länger verschieben zu dürfen, und sprach mit bewegter Stimme die Worte, deren Abschrift auch in der Mappe liegt. Man stimmte mit ernster Begeisterung ein.
Hier muß beiläufig bemerkt werden, daß der Dichter und Maler August Kopisch den glücklichen Gedanken hatte, dem Pokal, als er bei ihm vorbeizog, einen poetischen Seegen- und Wander-Spruch mitzugeben, von dem ich leider keine Abschrift erbeuten konnte, weil das Durcheinander zu groß wurde. Mein Festlied wurde nun von mir gesungen, vom Chore begleitet, und sehr lebhaft aufgenommen.
Die Bratenschüsseln fanden jetzt eine andre Generation. Man war jubelnd laut geworden. Die Lust tobte aus Gläserklang und fröhlichem Geschwätz von allen Seiten her.
Ich brachte die Gesundheit und das Lebehoch des Bruders des Gefeierten, des edlen Künstlers, des Bildhauers Friedrich Tieck!
Haering bat um die Erlaubniß, einen demagogisch-loyalen Toast zu sprechen. Es galt: das Gedeihen eines Aufruhrs und auch sein baldiges Ende! „des Aufruhrs in den Cevennen!“ — Lauter Jubel. Mit mir stieß der Buchhändler Duncker an. Ich suchte nach Reimer, konnte ihn aber im Gedränge nicht finden. Denn nun waren die Bande der Ordnung gelöst.
Raumer flog wie ein Schmetterling von einer Schauspielerin zur andern; meine Frau und die Hähnel schienen ihm in dieser Stimmung zu gesetzt. Alte Geheimeräthe winkten nach Champagner, junge Schriftsteller rezitirten Stellen aus Genovefa — ich murmelte in den Bart, wie Böttiger.