Baumkuchen stürzten ein wie Throne, und als der Oberkellner mich fragte: wer hier im Saale Tiecks nächster Verwandter wäre, denn der Aufsatz des Hauptkuchens müsse nach altem ritus vor jenen Verwandten gesetzt werden, und der Aufsatz sei ein Tempel — — da verleugnete ich Ihren Bruder und schrie: der Tempel muß vor Madame Steffens gestellt werden! Aber Gott im Himmel, was hatte ich gemacht? Es war ein veritabel heidnischer Tempel. Kaum daß ich noch in der Eile einen zuckernen nackten Amor beim Fittig packen und ihn herausschmeißen konnte. — So spielt das Schicksal.

Was sich nun weiter begeben, weiß ich nicht genau. Ich finde mich erst wieder, als ich der Hähnel in den Wagen helfe, ihr die Mappe und tausend Grüße für Sie mitgebe und ihr glückliche Reise wünsche. Da schlug es zwei vom Thurm; der Sommermorgen dämmerte durch die Mondnacht, und die Nebel des Weines zogen aus meinem Haupte. Ich sagte still vor mich hin: „der Mai und Tieck, sie werden ewig leben!“ und schlief in den ersten Juni so tief hinein, daß ich fast erschrack, als man mich weckte.

Eben las ich durch, was ich geschrieben, und finde es matt und erbärmlich. Aber ich weiß gewiß, daß ich nichts Besseres zu Stande bringe; deshalb mag es so abgeben, wie es ist. Vergebens wird man sich bemühen, die Stimmung noch einmal hervorzurufen, die bei einer solchen Gelegenheit eines fühlenden Herzens sich bemächtigt. Was man darüber sagt, scheint kalt und schwach, mit der innern Erinnerung verglichen.

Aber es war ein schöner Abend!

Und nun noch ein Wort von mir, ein Wort, welches mir schwer auf der Seele liegt, seitdem der Professor Löbell aus Bonn mich bei seinem letzten hiesigen Aufenthalte eingeschüchtert hat. Es wird bald von mir ein Band Erzählungen erscheinen, die ich gewagt habe, Ihnen zuzueignen. Nun sagte Löbell, dem ich das erzählte, es schicke sich nicht, eine solche Zueignung in die Welt gehen zu lassen, ohne die Erlaubniß dessen, dem sie gilt. Wenn Ihnen nun noch zum Ueberfluß die Erzählungen recht misfallen, dann sind Sie wohl gar böse, und ich habe einen dummen Streich gemacht?

Ich erwarte mit Zittern und Zagen die Ankunft der Exemplare, um Ihnen dann das erste zum Urtheilsspruche zu senden. —

Soll ich Sie diesen Sommer denn sehen? Ich beginne im August ein Gastspiel in Leipzig, und hatte sehr darauf gerechnet, auf ein paar Tage hinüber nach Dresden zu kommen. Da vernehm’ ich, Sie würden zu jener Zeit in Baaden sein? — Das wäre denn eben auch mein altes Unglück!

Aber ich will Sie nicht länger quälen mit meiner Schreiberei. Lassen Sie mich nur noch sagen, wie ich bin und ewig bleiben werde

Ihr dankbar und treu ergebner

Holtei.