Hochverehrter Freund!

Beinahe vom Ende der Welt — sende ich Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstage! meine Mutter schließt denselben die innigsten mit an, und beide hoffen wir Sie gesund und heiter wiederzusehen.

Während Sie theurer Freund, das schöne Frühjahr in aller Ruhe genießen, habe ich sehr unruhige, aber auch angenehme Tage verlebt. —

Hamburg hat mir sehr gefallen, das Haus fand ich gar nicht zu groß, das Publikum sehr freundlich — aber die Gesellschaft schlechter wie eine herumziehende Truppe. Die Enghaus ist fort, Schmidt, Lenz zu stumpf, Hr. Baison ist der einzig helle Punkt, die Perle der Gesellschaft! Das ist viel gesagt. Wenn Schröder die Vorstellung der Donna Diana gesehen! Denken Sie Geehrter Freund, daß Perin nicht im Standte war ein Lächeln dem Publikum zu entlocken — Niemand erhielt ein Zeichen des Beifalls, 4 mal versuchte ich Leben in diese Maße zu bringen. Dann sagte ich der Direction aufrichtig: mit solcher Umgebung könnte ich nicht weiter spielen. Die Stumme von Portici gieng sehr brillant da brauchte ich nur die Münk zur Unterstützung.

Hier geht unter Rottmayers Leitung alles beßer, und ich athmete leichter als ich in der „Stuart“ auftrat. — Schwärmerei nach der Mode macht sich gut, wenn alles so wie hier rasch in einander greift.

Rottmayer ist ein vorzüglicher Künstler, und gebildeter Mann, gewiß werden Sie ihn, mein Geehrter Herr Hofrath recht lieb gewinnen. Er empfiehlt sich ganz ergebenst, wenn er zu Gastrollen kommt möchte er den Klingsberg in „der unglücklichen Ehe durch Delicatesse“ spielen, da würden wir dies schöne Stück geben können, doch ich komme in’s Plaudern und raube Ihre Zeit, also mündlich hole ich nach, ich habe viel, viel zu erzählen! —

Nur noch die schönsten Empfehlungen! an Frau Gräfin! so wie Ihren lieben Fräulein Töchtern viel Herzliches! —

Auf frohes Wiedersehen! Verehrter Freund!

Hochachtungsvoll und bestens ergebene