Ich hoffe, Sie werden mit dieser Auflösung des Räthsels zufrieden seyn, um so mehr weil Schoorels Geschichte manches Aehnliche mit Ihrem Sternbald hat. Zum Theil auch aus diesem Grunde, ich muß es nur gestehen, habe ich die Lebens Beschreibung so umständlich ausgezogen und mich lieber der Gefahr ausgesezt, Ihnen längst bekannte Dinge zu wiederholen, als irgend etwas unberührt zu laßen, was Ihnen neu seyn und eine Dichterische Veranlaßung werden könnte.

Auf jeden Fall Sehen Sie daraus wenigstens meinen guten Willen, das lange Stillschweigen abzubüßen. Sie werden es mir überhaupt gern verzeihen, da Sie das Wesen und Treiben eines Antiquaren, dem es Ernst ist, so gut kennen; wircklich es scheint, als müste uns selbst unter der Hand alles zum Alterthum werden, ehe wir es fördern können, und darum ist das Urtheil der Gesellschaft im Phantasus über den Freund Ernst so wahr als scharf und witzig.

Indeßen wenn man beharrlich bleibt und der Himmel einem Glück und Gesundheit schenckt, bringt man trotz aller Schwerfälligkeit, die nun einmal am Fach haftet, endlich doch das erwünschte und oft mehr als das erwünschte zu Stande.

Sie sollten uns jetzt nur wieder besuchen und sehen, welche reiche Vollständigkeit wir in der Sammlung der Niederländischen Meister erreicht haben. Von Meister Hemmelinck, von dem nach der Vertheilung des Pariser Museums keine einzige Gallerie ein Bild aufzuweisen hat, sind seit 3 Jahren — 6 seiner schönsten Wercke und zwar aus den drey verschiedenen Zeiten seiner Entwickelung bey uns eingekehrt. — Dieser Meister würde Ihnen unendlich Gefallen; er war Schüler von Eyck, von dem Sie bey uns die Darbringung im Tempel gesehen haben; er übertraf ihn und alle anderen — Zeitgenoßen sowohl als Nachfolger in der Farbe und Ausführung, und steht fast höher als Schoorel, mit dem man ihn jedoch nicht vergleichen kann, weil beyder Art und Wesen ganz verschieden ist. Nur G. v. Eyck allein kann durchaus über den Hemmelinck gesezt werden, wegen der Großartigkeit Einfachheit und Tiefe der Natur Anschauung und Darstellungs Gabe. — Von ihm besitzen wir zu jener Darbringung im Tempel das Mittelstück, die Anbethung der Könige, und das Gegenstück, die Verkündigung, dann seit vorigem Jahre auch den Heiligen Lukas, der die Maria mahlt, gleichfalls ein Großes und übermaßen prächtiges Bild.

Ich würde gar nicht zu Ende kommen, wenn ich Ihnen eine Uebersicht und Beschreibung der ganzen Sammlung geben wollte, überdem werden Sie solche nächstens von Goethe lesen. In den drey Monathen, welche ich diesen Sommer und Herbst mit ihm zugebracht habe, ist eine kleine Schrift über Kunst und Alterthum in den Rhein und Mayn-Gegenden vorbereitet worden. Köln unsere Sammlung und das Strasburger Münster werden die Hauptpunkte seyn, zwischen denen sich das andere, auch das neuere, Kunstwesen samt allen Wünschen und Aussichten anreihen soll. Er beschäftigt sich jetzt mit der Ausarbeitung, drey Bogen sind bereits gedruckt.

Sie werden sich gewiß darüber freuen, daß dieser so lange ungläubige Freund nun so ernsthaft an unserer Liebe für die altdeutsche Kunst Theil nimmt, deren erste Anregung wir nie aufhören werden, Ihnen und Friedrich Schlegel zu verdancken.

Mein etwas elephantisches Werck vom Köllner Dom geht seinen langsamen aber sichern Schritt — vorwärts — Die 5 Platten zur ersten Lieferung werden mit Anfang des neuen Jahrs fertig; die Probedrücke versprechen sowohl in Rücksicht der Kraft und Würckung als in Rücksicht der Zierlichkeit und Gründlichkeit eine befriedigende Ausführung. — Das andere kleinere Werck altdeutscher Baudenckmahle, von den ältesten Zeiten bis zur Entstehung der sogenannten gothischen Baukunst, wird nun auch in Gang gesezt, aber nicht in blosen Umrißen, wie das, welches vor kurzem mein Freund Moller in Darmstadt herausgegeben und wozu ich ihn veranlaßt habe. — Es geschieht einem oft so mit Freunden, daß sie nur halbweg einen guten Rath befolgen und ihn halb verderben. — Meine geschäftlichen Arbeiten sind sehr vorbereitet, und ich hoffe, diesen Winter in einer Abhandlung die vorläufige Uebersicht der ganzen Geschichte der christlichen und Deutschen Baukunst, und in einer Zweiten Abhandlung die Geschichte der Deutschen Bauleute und Steinmetzen auszuarbeiten — So werden wir dann endlich dem Willibald doch etwas auf den Fuß treten.

Nun aber nach so vielem Schwatzen muß ich an den Schluß denken, und will auch darum, und noch aus anderen Gründen, die Freudens Bezeugungen, daß wir als Köllner Ihre Landsleute geworden sind, auf spätere Zeiten versparen. Nur das kann ich nicht verschweigen, daß ich seit Jahr und Tag bey aller patriotischen Erhebung des Prinzen Zirbin eingedenk gewesen bin, und mir vorgenommen haben, diesen Unsterblichen immer im besten Andencken zu behalten.

Alle Ihren hiesigen Freunde sind wohl und grüßen so wie mein Bruder und Bertram aufs schönste und freundlichste. Laßen Sie mich meine Unart des Stillschweigens nicht entgelten. — Laßen Sie bald gutes und angenehmes von sich hören und sagen Sie mir Ihre Meynung von dem jüngsten Gericht von Eyck, welches von Paris nach Berlin gekommen, und ein Eigenthum der Stadt Danzig ist. Einige halten das Bild nicht von Eyck, sondern von einem Schüler deßelben Ouwater genannt. Es soll die Jahreszahl und ein E auf einem Leichenstein stehen, könnten Sie diese zu Ihren Bemerkungen beifügen, so würden Sie mich sehr verbinden. Ich werde von nun an gewiß schneller und kürzer antworten.