Unsere kurzen, leider oft sehr unvollständigen[2] Einleitungen hegen nicht etwa die eitle Absicht, urtheilen zu wollen. Sie sollen nur dem weniger mit der Litteratur Vertrauten bescheidene Andeutungen geben.

Und solcher Leser wünschen wir der Sammlung eine recht umfassende Anzahl. Sie sind nicht selten die theilnehmendsten — vielleicht weil sie die unbefangensten sind.

Allen aber, Laien wie Kennern, legen wir die Bitte an’s Herz, diese Bücher nicht zu durchblättern, bevor sie nicht Rudolph Köpke’s oben genanntes Werk aufmerksam gelesen haben. Es ist kaum eine zweite Lebensbeschreibung vorhanden, in welcher sich, so offenbar wie in dieser, Pietät, begeisterte Verehrung, gänzliche Hingebung an den Gegenstand mit unparteiischer Wahrheitsliebe verbinden. Wer Tieck noch nicht aus seinen Dichtungen kannte, der mag ihn an Köpke’s Führerhand kennen, mag Beide lieben lernen!

Und nun genug!

Unsere Arbeit unterscheidet sich von den meisten Erzeugnissen anstrengenden geistigen Fleißes dadurch, daß diese die Resultate desselben der Lesewelt vorlegen dürfen, während wir die meiste Bemühung auf dasjenige zu verwenden hatten, was wegbleiben sollte. Darum, wie wir keinerlei Anspruch auf irdischen Lohn und Erwerb dabei machten, hoffen wir auch keinesweges auf Dank und Lob; sind jedes Tadels in Demuth gewärtig. Auch der bitterste wäre nicht im Stande, Werth und Bedeutung Büchern zu rauben, aus denen hervorragende Geister zu Geist und Herz reden; er könnte immer nur den Herausgeber treffen; und dieser fühlt sich im Voraus beruhiget durch das Bewußtsein strengerfüllter Pflicht, die er geübt so weit seine Kräfte reichen. Darüber hinaus kann kein Sterblicher.

Noch einen zweiten Trost bietet die Zuversicht, daß es an edlen Menschen nicht fehlt, die sich gern eine Stunde stiller Weihe gönnen, um sich aus dem Lärm und Streit der Gegenwart in entschwundene Zeiten zu versenken; um sich in litterarische Zustände und Verbindungen, wie sie uns heut zu Tage fremd erscheinen, hinüber zu träumen. Diese werden billigen, daß ich nicht unterschlagen habe, was streng genommen wegfallen konnte. Und ihre Befriedigung mag mich trösten über Vorwürfe, welche von entgegengesetzter Seite nicht ausbleiben dürften.

Der Verleger denkt bei diesem seinen Unternehmen nicht an Gewinn.... doch ja! Die Erinnerung an den Dichter des Phantasus ehrenvoll aufzufrischen gilt ihm dafür!

Breslau im Mai 1864.

Holtei.