Sieh doch zu, was an der Sache ist, und, wenn er Aufmunterung verdient, so laß doch gelegentlich ein gütiges Wort über ihn in der Abendzeitung, oder in der Leipzig. Lit. Ztg., oder wo Du sonst willst, fallen. Wie glücklich würde ihn Das machen, den Bescheidenen!

Lebe recht wohl, mein lieber freundlicher Tieck, und behalt lieb

Deinen

Bothe.

II.

Leipzig, Blumen- und Kreuzgassenecke im Hause
des Hrn. von Kötteritz, den 18. Juli 1842.

Mein alter Freund.

Längst hätte ich Dir geschrieben und Dir zu der glücklichen Gestaltung Deiner Verhältnisse gratuliert, wenn ich nicht von Monat zu Monat im Begriff gewesen wäre, mich nach Leipzig zu übersiedeln wegen des fast gänzlichen Mangels an litterarischem Verkehr in Süddeutschland. Hier ist es zwar in dieser Hinsicht auch eben nicht erfreulich, aber doch weht überhaupt mehr Lebensluft und die Hoffnung verschwindet wenigstens nicht bis auf den letzten Schimmer. Hier hoffte ich also entweder Dich selbst zu sehen, oder doch sonst mich in leichtere Verbindung mit Dir zu setzen, und so erhältst Du jezt diese Zeilen.

Da ich Deine Theilnahme an meinem Schicksal kenne, so versäum’ ich nicht, Dir einen Plan mitzutheilen, auf den der hiesige Ort gleichsam hindeutet, und den auch einige meiner Leipziger Bekannten, z. B. Prof. Westermann, gut finden. Ich habe nämlich vor, ein Pensionat zu errichten für Studierende aus guten Häusern des Auslandes, Deutsche oder Nichtdeutsche, die entweder die hiesigen höhern Gelehrtenschulen, oder (und zwar vornehmlich) die ausgezeichnete Handelsschule besuchen wollen, sei es, um sich hier von Hause aus zu bilden, oder wenigstens um ihre Kenntnisse zu vervollkommnen, wozu kaum ein anderer Ort mehr geeignet ist. Für gehörige Aufsicht, gesunde Wohnung, nahrhafte Kost, Aufwartung &c. werden ich und meine Frau — Du kennst sie — gewissenhafte Sorge tragen, und vor der Hand, bis zu ihrer bevorstehenden Verheirathung mit einem geschickten Rechtsmann im Badischen, wird auch meine Tochter uns dabei behülflich sein. So scheint guter Erfolg zu hoffen, zumal ich das Honorar, über das ich Näheres auf frankirte Briefe melden will, so billig bestimmen werde, als die Lokalität erlaubt.