Habe denn die Güte, dies Vorhaben in Deinem großen und angesehenen Kreise freundlich bekannt zu machen und zu fördern, durch dessen Realisierung der Abend meines sehr umwölkten Lebenstages erheitert werden würde. Du weißt, daß ich Dir von Kindheit an aufrichtig zugethan war, keine Zeile gegen Dich schrieb, (wie mancher schlecht Unterrichtete wohl meinte wegen meiner Verbindung mit F. Nicolai,) und oft Dich gegen Hasser und Neider vertheidigte. Kannst Du auch sonst, vielleicht gar höhern Orts, dazu beitragen, meine Lage zu verbessern (denn ein langwieriger, von mir ganz unverschuldeter, Prozeß hat fast mein ganzes, ohnehin nie beträchtliches, Vermögen aufgezehrt), so sei fest überzeugt, daß Du Dein Wohlwollen an keinen Undankbaren verschwenden wirst. Da ich einigen Ruf in der Litteratur bis auf die neueste Zeit behauptet habe, (s. z. B. Wolfs Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten[5]), so würde Deine Empfehlung des Jugendfreundes zu irgend einer erträglichen Stelle an einer Bibliothek, oder als Archivar, Sekretär &c. Dir gewiß nicht verdacht werden, vielmehr den Edelmuth eines Mannes zeigen, der, aus stürmischer Flut gerettet, auch den noch darin Kämpfenden ans Land ziehen hilft. Auch ein kleines Wartegeld bis zur Anstellung wäre mir erwünscht, dergleichen man ja Solchen zu bewilligen pflegt, denen man überhaupt wohlwill; und warum mich gänzlich hintansetzen wollen, da Magdeburg mein Geburtsort ist, mein Vater (der Steuerkommissarius Ernst Christoph B. in Magdeburg) ein anerkannt tüchtiger Staatsdiener war und ich selbst nichts verschuldete, vielmehr meinen Patriotismus mannichfaltig durch Wort und Schrift bewährte? — —

Lebe wohl, verehrter Freund, und gedenke

Deines

Bothe.


Braniß, Christlieb Julius.

Geb. am 18. September 1792 in Breslau, Professor der Philosophie an der dortigen Universität.

Die Hauptwerke, die ihn außerhalb seiner Vaterstadt bekannt gemacht, und ihm seine hohe Stellung in der gelehrten Welt sichern, sind: Grundriß der Logik (1830) — System der Methaphysik (1834) — Geschichte der Philosophie seit Kant (1842, unvollendet). —

Ein Gelehrter, wie es wenige giebt; ein Philosoph und Logiker, den schönen Künsten vertraut; ein Musiker von höchster Ausbildung; ein Komponist reich an sinnigen Melodieen; ein Lebemann von heiterem, geselligem Tone; eine unverwüstliche Natur; ein Greis mit ungeschwächter Jugendkraft.