Auch meine Freunde hier haben sich Ihrer lehrreichen Abhandlung sehr erfreut. Was könnte das für ein Journal sein, wenn die ächten Menschen, die wahrhaft Erkennenden sich in Deutschland vereinigten, Sie, und noch Wenige, die mir gerade bekannt sind, und gewiß manche Geister, welche schweigen, verborgen sind, und die wir beide nicht kennen.

Könnten Sie doch in Dresden leben! Könnte ich doch Ihren Umgang geniessen! In meiner Nähe fehlt ein aufregender Geist; mit denen ich hier in Freundschaft verbunden bin, — wackre Männer, — aber sie empfangen mehr von mir, als ich von Ihnen. Daß man in Gesellschaft niemals, oder doch nur selten verstanden wird, bin ich freilich seit vielen Jahren gewohnt und ich bin in der Hinsicht resignirt. Es war gewiß immer so. Aber Raumer, Solger, Sie, Löbell, — wir könnten doch, denke ich, einen ganz artigen Senat bilden. —

Ihre Blätter wandern immerdar hier unter denen herum, die sie zu lesen verdienen: ich möchte Ihnen noch gern dies und jenes Bestimmte sagen, oder fragen: — aber ich habe, wie gesagt, den schönen Aufsatz selbst lange aus den Augen verlohren. Sprechen möchte ich mit Ihnen einmal so recht aus dem Herzen: als Sie lezt hier waren, war die Zeit zu kurtz und die Gesellschaft genirte. Vielleicht wird mir einmal diese Freude. — Bis dahin reiche ich Ihnen von fern die Hand als einem Geistes-Verwandten und Verbündeten und Sie stehn mit Ihrem Seelen-Reichthum mir als ein alter Freund ganz nahe.

Nehmen Sie diese eiligen unbefriedigenden Worte wohlwollend auf.

Ihr

ganz eigner

Ludw. Tieck.


Brentano, Clemens.

Geb. zu Frankfurt a. M. 1777, gestorben zu Aschaffenburg 1842.