Erlauben Sie mir Ihnen durch diese Zeilen einen Mann vorzustellen welcher mir vor kurzen ein Empfehlungsschreiben von der Unger aus Florenz überbrachte und den wir etwas über 8 Tage in Dresden gesehen haben. — Er war eine Zeit lang Secretair der östereichischen Kaiserin heißt v. Gar und wird jedenfalls in kurzem, nachdem er seine wissenschaftliche Reise durch Deutschland vollendet hat, Oberbibliothekar des Großherzogs in Florenz. Können Sie ihm behülflich seyn daß die literarischen Schätze von Berlin sich ihm öffnen, so wird schon seinen Wünschen entsprochen seyn. Er ist der Haupt-Redacteur des Archivo istorico und ein angenehmer gebildeter Mann.
Mit Freude habe ich von Mehreren erfahren daß es gegenwärtig mit Ihrer Gesundheit recht gut geht. Sie lesen wieder öfters — leider ohne daß ich es höre! — und bereiten den Aischylos vor zur Aufführung! — Nun möge das Alles so fort immer weiter gedeihen! — Es kann wohl seyn daß ich in diesem Jahre einmal nach Berlin komme und dann klopfe ich sogleich bey Ihnen an.
Von den Meinigen kann ich Ihnen, nebst den herzlichsten Empfehlungen, nur Gutes melden. — Wir sind wohl und leben in gewohnter thätiger Weise fort. Mein Reisetagebuch von England und Schottland habe ich diesen Winter in Ordnung gebracht und möchte Ihnen wohl Einiges daraus mittheilen was Ihre eignen Erinnerungen wieder erneuen könnte. Frau v. Lüttichau sehen wir viel und sie ist uns eine treue liebe Freundin. Wir sprechen oft von Ihnen zusammen.
Ihre liebenswürdige Königin habe ich jetzt fast täglich gesehen und gesprochen und mich ihres Wohlseyns und ihrer unerschöpflichen Anmuth gefreut. Heute erwarten wir auch den König.
Und so sage ich Ihnen denn für heute herzliches Lebewohl! — Erhalten Sie uns Ihre Theilnahme und Ihre Freundschaft, und seyn Sie überzeugt von der treuen ausdauernden Freundschaft
Ihres
Ihnen treu ergebnen
Carus.
VI.
Dresden d. 26/11. 47.