Sein Schreiben an Tieck bezieht sich auf mehrere Namen von Bedeutung. Die angedeutete Befürchtung, daß Böttiger’s Einfluß ihm (als Tiecks Freunde) in Hannover schaden könne, ist ein Anachronismus; denn 1823 waren jene kleinen Wunden, einst von schelmischen Krallenhieben des Katers gerissen, längst vernarbt, und Böttiger verkehrte ganz freundlich mit seinem ehemaligen Gegner.
Göttingen, am 24ten September 1823.
Mein verehrter Freund!
Sehr oft habe ich an Sie gedacht, und mich im Geiste mit Ihnen beschäftiget, auch während ich auf der Reise, und bei meiner kleinen Einrichtung in Göttingen, vielfach zerstreut war, noch mehr aber jetzt, da ich anfange, hier heimisch zu sein. Viele unsrer Gespräche wachten in mir wieder auf, und ich lebte die angenehmen Stunden, die ich bei Ihnen, und in Ihrem schönen Kreise zubrachte, im Geiste wieder.
Unsere Reise beendeten wir glücklich, obgleich auf der Höhe zwischen Nordhausen und Heiligenstadt manche Beschwerde und Gefahr zu bestehen war. Meine arme Sophie wurde durch die Anstrengung und durch die Beschwerde der Reise krank, und fiel endlich in ein Fieber, woraus sie sich erst in diesen Tagen erholt.
Einige Stunden nach unsrer Ankunft in Göttingen, trat unerwartet unser gemeinsamer Freund Dr. Thorbecke bei mir ein. Wir freuten uns Beide des Wiedersehens; er hat sich mir seitdem als Freund erwiesen, und ich habe ihn noch mehr lieb, als sonst; wir sehen uns jeden Abend abwechselnd bei ihm oder bei mir. Daß Sie und Ihre Werke sehr oft der Gegenstand unsrer Gespräche sind, und wie sehr wir uns Beide sehnen, bei Ihnen zu sein, brauche ich Ihnen nicht zu versichern.
Ich bin Ihnen sehr dafür verpflichtet, daß Sie mich Ihrem Freunde Ottfr. Müller empfohlen haben, den ich sehr werthschätze und liebe. Die Aussicht auf den genaueren Umgang mit ihm, und vielleicht auf seine Freundschaft, erheitert mir den Gedanken an die nächste Zukunft. Er hatte sich vorgenommen, in den letzten Tagen dieses Monates nach Dresden zu reisen, mußte aber diesen Lieblingsplan aufgeben, wegen einer Menge Arbeiten, die er nicht aufschieben kann, und in den Ferien kaum zu bestreiten denkt, und bedauert daher schmerzlich, es sich versagen zu müssen, einige Tage bei Ihnen und Ihrem Familienkreise zu verleben.
Zwei Tage nach meiner Ankunft wurde ich hier durch den Decan, Herrn Hofrath Mitscherlich bei der Philosophischen Facultät nostrifizirt, und die Anzeige meiner Vorlesungen kam noch in die einzeln auszugebenden Abdrükke des deutschen Lectionsverzeichnisses, obgleich die den Götting. gel. Anzeigen beigelegten Abdrükke schon abgezogen waren. Vielleicht bringe ich durch Ottfr. Müllers, Thorbeckes, und einiger anderen Gelehrten Vermittelung meine Vorlesungen über Logik und Einleitung in die Philosophie, und über das System der Philosophie zu Stande, — wenn auch nur für Wenige. Kurz vor Anfang der Vorlesungen werde ich disputiren. — Sehr viel ist daran gelegen, daß ich dem Herrn Minister von Arnsberg und dem Herrn Staatsrath von Hoppenstädt in Hannover empfohlen werde. Ich habe gehört, daß bei Beiden der Herr Hofrath Böttiger sehr viel gilt; — dieß ist vielleicht für mich eine sehr schlimme Vorbedeutung. Halten Sie es für gut, wenn ich deßhalb mich an Herrn Hofrath Geißler wendete, so unterstützen Sie mich dabei mit Ihrem Rathe, und melden mir dessen Adresse.
Mit großem Vergnügen habe ich Ihre belehrende Vorrede zu der Vorschule zum Shakespeare gelesen, und darin manches angedeutet gefunden, was Sie die Güte gehabt haben, mir gesprächsweise ausführlicher mitzutheilen. Ihre Gedichte, zunächst Ihre Schilderungen auf der Reise in Italien, erheitern und erfreun mich bei meinen ernsten Arbeiten, denn Sie waren immer und bleiben mir der liebste deutsche Dichter.