Ich will aufhören, sonst muß ich befürchten, Sie geben mir nie wieder die Erlaubniß mich mit Ihnen zu unterhalten. Wie viel hätte ich Ihnen zu sagen, über unser künstlerisches Treiben! Aber nur Ihnen; hier spreche ich nie darüber. Kommen Sie nur, Sie finden mich noch in voller Aktivität; zwar bey der Invalidenkompagnie; aber noch kann ich, wenn eine meiner Colleginnen plötzlich heiser wird, eine Rolle vom Tage vorher, auch noch denselben übernehmen, und das will doch etwas sagen, wenn man 66 Jahre auf dem Comödienzettel steht. Wie freue ich mich Ihnen eine Reliquie zu zeigen, einen Comödienzettel worauf Ekhof und ich stehen.

Legen Sie das Blatt nicht weg, ich schreibe kein Wort mehr! Nur meinen nochmaligen innigen Dank für Ihren Brief, und die Bitte auch ferner noch meiner zu gedenken; gewiß Sie würden es, wenn Sie wüßten, wie sehr, wie über Alles Sie dadurch beglücken und ehren Ihre

alte treue Verehrerin und Freundin

Fr. Krickeberg geb. Koch.


Küstner, Karl Theodor von.

Ein Mann der seiner Vaterstadt Leipzig ein gutes Theater gegeben, und zu dessen ehrenhafter Aufrechterhaltung jahrelange, bedeutende Opfer gebracht, hätte ein besseres Schicksal verdient, als dann den Rest seines Lebens sich mit Intendanz- und Generalintendanz-Mühen komplicirter Hofbühnen abzumartern, und bei allem Fleiß und redlichstem Wollen auf die Länge von Niemand Dank einzuerndten. Die theuer bezahlten, schwererworbenen Erfahrungen eines selbstständigen Privatunternehmers konnten unmöglich zu durchgreifender Anwendung gelangen, wo so mannichfach sich durchkreuzende Interessen Rücksichten über Rücksichten gebieten, und wo Jeder, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, offne oder versteckte Gegnerschaft übt. Aber das alte Sprüchwort sagt: „der Mensch ist seines Schicksal’s Schmied,“ und hat nun der großmüthige, für Poesie und wahre Kunst unermüdlich wirksame Leipziger Theaterdirektor, sich auf Münchener und Berliner Ambosen, Rang, Titel und Orden zu schmieden den Drang gefühlt, so mußte er’s auch hinnehmen, daß er sich an der, von so vielseitigen Blasebälgen angeströmten Gluth mancherlei Brandwunden holte. Sie sind verheilt; und er darf, in hohen Jahren, sich an dem Bewußtsein laben, daß kein gerechter und vom Theaterwesen unterrichteter Mensch, an seinem unausgesetzten Bestreben für’s Beste der ihm untergebenen Bühnen zweifelt.

München, den 10ten Juni 1841.

Da ich höre, daß Sie, hochgeehrtester Herr, in unserer Nähe sind, kann ich nicht unterlassen diese Zeilen an Sie zu richten. Als ich im vorigen Herbste von Dresden zurückkehrte, gedachte ich gegen S. Majestät den König Ihrer und unserer Gespräches über Ihre Anherokunft nach München, wobei S. Maj. äußerten, daß Dieselben Sie mit Vergnügen hier sehen würden. Führt Sie vielleicht Ihr Weg von Baden nach München?