Hamburg, d. 25t. Juni 1844.
Hochgeehrter Herr!
Ich kann mein Versprechen, die gewünschten Bücher betreffend, leider nur zur Hälfte erfüllen, denn trotz aller angewendeten Mühe ist es mir nicht gelungen die Schrödersche Bearbeitung des „Hoffmeisters,“ von Lenz aufzufinden. In der Theaterbibliothek — auch im Kataloge — fehlt sie. Wahrscheinlich hat Schröder sie in seinen Privatbesitz genommen, und von dem Schicksal seiner hinterlassenen Manuscripte kann ich nichts und von Niemand etwas erfahren. Lebte der Professor Mayer in Bramstädt noch, der Depositair seiner geheimsten Papiere — wüßte ich mir wohl Raths zu holen. Auch in dem Lustspiel „der Schmuck,“ das ich das Vergnügen habe Ihnen zu übersenden, werden Sie auf einige Verstümmelung stoßen, doch ist sie nicht so arg, daß der Zusammenhang unerrathbar zerrißen wäre; wenigstens ist die Rolle Wegforts ganz erhalten. Schröder hat — wie sichtbar — auch dieses Stück verkürzt und bearbeitet, und die statt der gestrichenen und veränderten Stellen hinein befestigt gewesenen Zettelchen sind leider verloren gegangen. Ich habe indeß nicht Anstand genommen selbst dies etwas entstellte Exemplar Ihnen zuzusenden. Sie lernen mindestens daraus die Rolle des Wegfort kennen, und werden an meinem Eifer, Ihren Wunsch nach Kräften zu erfüllen, nicht zweifeln. Daß diesem Wunsch nur zur Hälfte Genüge geschieht, bedaure ich unendlich.
Mich Ihrem ferneren Wohlwollen empfehlend, habe ich die Ehre zu seyn
Hochgeehrter Herr
Ihr
ergebenster
J. R. v. Lenz.