Loebell, Johann Wilhelm.

Geb. zu Berlin am 15. September 1786, gestorben zu Bonn am 13ten Juli 1863. Er begann sein Lehramt als Historiker bei der Kriegsschule in Breslau, übernahm auf kurze Zeit die Redaktion der Brockhausischen Litteraturblätter in Leipzig, kehrte dann nach Breslau zurück, stieg in seiner Eigenschaft als Docent der Geschichte zum Professor höherer Militair-Unterrichtsanstalten in Berlin, und wurde von dort im Jahre 1831 als ordentlicher Professor an die Universität in Bonn berufen, wo er zweiunddreißig Jahre hindurch lehrte, und ohne sich peinlich an sein Hauptfach zu binden, auch außerhalb der akademischen Hörsäle für litterarische und poetische Bildung in großen Kreisen von segensreichem Einflusse war. Die mehrmalige Be- und Umarbeitung der Becker’schen Weltgeschichte hat seinen Namen und seine Verdienste weitaus verbreitet. — Sein eigenstes historisches Hauptwerk ist die gelehrte Schrift über „Gregor von Tours und seine Zeit,“ welche ihm auch vielfache Anerkennung französischer Historiker gewann.

Wie sein intimes Verhältniß zu Tieck nach und nach entstand, zeigen die (verhältnißmäßig) wenigen Briefe, die wir aus überreichem Vorrathe wählten. Wir dürfen nicht verschweigen, daß wir uns genöthiget gesehen, viele zu unterschlagen, die wahrscheinlich höheres Interesse geboten hätten — lediglich aus leidigen Rücksichten auf Verhältnisse und noch lebende Personen. Wir gestehen das ein, mit einem schweren Seufzer über die von so unzähligen Vorsichtsmaßregeln und Besorgnissen behinderte Ausübung dieser — voreilig übernommenen, im ersten Anlaufe nicht für so schwierig gehaltenen — Redaktion.

Das letzte Schreiben, welches sich überhaupt vorfand, datirt vom November 1846. — Ein kurzes, aber tief eingehendes, fast erschöpfendes Wort von ihm über Tieck, findet sich als Anhang zu Rud. Köpke’s biographischem Werke unter der Aufschrift: „Geheimer Rath Loebell in Bonn an den Verfasser.“

I.

Breslau, den 30. Januar 1822.

Schwerlich werden Sie sich noch eines Mannes erinnern, dem es im Herbste 1810 in Heidelberg verstattet war, einige Worte mit Ihnen zu wechseln. Stets hegte ich seitdem den Wunsch, Ihnen einmal wieder nahe zu kommen, oder Ihnen doch die ungemeine Achtung und Verehrung, die ich gegen Sie hege, durch irgend etwas bezeigen zu können. Um dem lezteren Verlangen endlich zu genügen, wage ich es Ihnen beyfolgende Kleinigkeit zu senden. Der Inhalt gehört freilich größtentheils den engen Schulwänden an, keinesweges den freyen Lusträumen, in welchen die Poesie sich bewegt. Nur der darin lebhaft ausgesprochene Wunsch, daß die deutsche Poesie und Litteratur den höheren Bildungsanstalten künftig nicht so fern bleiben möge als bisher, mag es einigermaßen entschuldigen, wenn das Schriftchen den Weg zu demjenigen Dichter sucht, zu dem sich sein Verfasser mehr als zu irgend einem der lebenden hingezogen fühlt.

Mit dem Gefühle inniger Verehrung

Dr. Loebell.

II.