Immermann, Karl.
Geb. am 24. April 1796 zu Magdeburg, gest. am 25. August 1840 als Landesgerichtsrath in Düsseldorf.
Im Laufe von zwanzig Jahren hat dieser gewaltige Geist zur Ehre und Freude deutscher Poesie unermüdlich geschaffen, seine eigensten Wege eingeschlagen, und manches hohe Ziel erreicht. Die Prinzen von Syrakus (1821) — Das Thal von Ronceval — Edwin — Petrarca (1822) — König Periander (1823) — Das Auge der Liebe (1824) - Cardenio und Celinde (1826) — Das Trauerspiel in Tyrol (1827) — Ein Morgenscherz — Die schelmische Gräfin — Kaiser Friedrich II. (1828) — Alexis (1832) - Merlin — Die Opfer des Schweigens — Die Verkleidungen — Die Schule der Frommen - Gedichte (1830) — Tulifäntchen — Die Epigonen (1836) — Münchhausen (1838) — u. s. w. verkünden vielfache Erfolge in den Gebieten der Tragödie, des Drama’s, der Posse, des Epos, der Mythe, des Romanes, der Lyrik!
Seine Briefe an Tieck sind, jeder einzeln und für sich, so wie alle sechszehn insgesammt, gleichsam fortlaufende Belege für den heiteren Ernst seines Lebens und Strebens. Deshalb haben wir alle unverändert aufgenommen; auch diejenigen worin er Verdammungsurtheile ausspricht, in welche viele seiner aufrichtigsten Verehrer schwerlich so unbedingt einstimmen möchten. Dafür war er denn eben der Immermann, und einem solchen verzeiht man wohl auch sein mitunter allzu sicheres Selbstgefühl. Wir haben nur wenige Zeilen unterdrückt, die noch lebende Personen möglicherweise hätten verletzen können. Auch diejenigen (drei?) Schriftstücke sind mitgetheilt worden, welche früher schon in dem von G. zu Puttlitz herausgegebenen Büchlein: „Immermann’s Theaterbriefe,“ mit Tiecks Zustimmung, erschienen waren.
Ein Brief, den Tieck ihm geschrieben, nach der Düsseldorffer Aufführung des „Blaubart“ wurde hier eingeschoben; die Kopie desselben, von Tieck’s Hand korrigirt, fand sich offenbar dazu bestimmt, unter mehreren ähnlichen Abschriften.
I.
Düßeldorf, 18. Julius 1831.
Wohlgeborner
Hochverehrter Herr Hofrath!
Ich erlaube mir, Euer Wohlgeboren beifolgend ganz ergebenst ein dramatisches Gedicht mitzutheilen, von dem ich wohl wünschte, daß es vor dem Erscheinen im Druck dargestellt werden möchte. Insofern Sie glauben, daß es für die Bühne sich eigne, würde ich daher diesen Wunsch auch in Beziehung auf die dortige hiemit ausgesprochen haben. Nach dem, was mir durch öffentliche Nachrichten über Ew. Wohlgeboren Verhältniß zum Dresdner Theater bekannt ist, hoffe ich durch die unmittelbare Überreichung meiner Arbeit an Sie, mich nicht zu weit von der Ordnung des Geschäfts entfernt zu haben; jedenfalls wird man wohl den Verstoß entschuldigen, wenn ich hierin irrte. Es war natürlich, daß ich mein Gedicht am liebsten in die Hände des Dichters legen mochte.