Urtheilen Sie folglich was ich empfinden mußte, als ein Mann Ihrer Art zu mir kam, und mir klagte, der elende Schulberg werde auf ihn gedeutet. Ich konnte Sie in diesem Augenblicke nur für krank halten und wünschen, man hätte Sie lieber an einen Arzt als an mich gewiesen. Indeßen behandelte ich Sie wie einen achtungswürdigen Kranken, deßen man schont, wenn man ihn nicht zu heilen versteht. Ich fürchtete Sie durch Widerspruch ohne Noth zu reizen, ich gab Ihrer wiederhohlten Zudringlichkeit so viel nach, daß, wenn man etwas gewaltsam zu deuten entschloßen sei, gewiße übertriebne Ausdrücke Schulbergs die Sprache Friedrich Schlegels nachahmen zu wollen scheinen könnten; ich überließ es sogar Ihrem Ermeßen, ein Stück von der hiesigen Bühne auf einige Zeit zu entfernen, das freilich nur dann auf Sie angewendet werden kann, wenn man es nicht kennt. Ich sezte natürlicher Weise dabei zum voraus, daß Ihre beßere Besinnung zurückkehren, und Ihnen selbst in Kurzem sagen würde, was eigne Vernunft wohlthätiger als fremde geltend zu machen weiß.

Sie haben mich mißverstanden und Ihr lezter Brief beweiset mir, daß Sie mehr als jemals von der Stimmung entfernt sind, auf welche Nachsicht und Mäßigung heilsam wirken. Aber was ich Ihnen vielleicht nicht mehr schuldig bin, kann ich doch meiner selbstwegen nicht aus den Augen setzen.

Nein mein Herr! Sie sind nicht Schulberg und keiner Ihrer Freunde ist es. Keiner von Ihnen schmeichelt Sich für adlich zu gelten, ohne geadelt zu sein; keiner von Ihnen kriecht, schmarozt und borgt von kleinen Großen; keiner macht einem thörichten alten Weibe den Hof, um sich vor Pfändungen der Juden zu sichern, keiner von Ihnen verlebt seine Nächte in leeren Schilderhäusern und Portechaisen. Gott verhüte, daß es unmöglich werden sollte, einen pöbelhaften Schmierer und seine Rotte aufzustellen, ohne das Ideal dazu von Ihnen und Ihren Freunden zu entlehnen!

Die Bibliothek der hiesigen Schaubühne würde in einen leeren Raum verwandelt werden, wenn jeder mißtrauische Mensch das Recht hätte, alle Schauspiele daraus zu entlehnen, in welchen etwa ein einzelner Zug vorkommt, wovon er einige entfernte Ähnlichkeit mit sich zu entdecken glaubt und die theatralischen Vorstellungen würden zulezt aufhören, wenn lauter solche Gebrechen dargestellt werden sollten, die im ganzen Lande nicht zu Hause sind.

Ihre litterarische und physische Existenz vielleicht sogar Ihr Name, ist dem Verfaßer des Kameleons gänzlich unbekannt.

Ich wohne iezt mit Ihnen an einem Orte und habe nichts von Ihnen gelesen, als Ihren Sternbald und Ihre beiden Briefe an mich. Die lezten hätte ich Ihnen gern erlaßen.

Gehen Sie mit Ihrer beßeren Seele zu Rathe. Sehen Sie zu, ob Sie es für Sich verantworten könnten, den Schulberg auf sich und Ihre Freunde zu deuten.

Ich werde es für mich nie verantworten noch veranlaßen.

Iffland.