Ich muß sehr um Verzeihung bitten, daß ich, ohne das Glück Ihrer nähern Bekanntschaft[4] zu genießen, gewagt habe, so weitläuftig zu sein. Indessen entsprang aus dem Muthe, Ihnen das Gedicht zu senden, auch nothwendig der, über den Gegenstand zu reden, der mich eine lange Zeit hindurch gefesselt hat. Ich hoffe, Sie werden mir die Ausführlichkeit meiner Bemerkungen vergeben, welche freilich gegen das Conventionelle streitet. Vor Allem wünsche ich, daß Sie in dem Gesagten keine eitle Meinung über meine Arbeit erblicken mögen. Daß ich mich lange und ernsthaft damit beschäftigt habe, weiß ich; wie aber das Resultat zu stehn gekommen ist, darüber bin ich ganz im Dunkeln. Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen meinen aufrichtigsten Dank für den Genuß zu sagen, den mir der zweite Theil Ihres Dichterlebens gewährt hat. In den beiden Shakespeare-Novellen ist mir das geheimnißvolle Schaffen Ihrer wunderthätigen Phantasie am klarsten geworden, und ich kann den Eindruck, den sie auf mich gemacht haben, nicht anders bezeichnen, als indem ich sage, daß wenn es nicht so zugegangen ist, es doch nothwendig so hätte zugehen müssen. Mögen die Zeitereignisse und die dortigen Verwickelungen Ihnen Heiterkeit und Freiheit lassen, uns ferner zu erfreuen und zu belehren.

Ich werde vermuthlich im October Dresden auf einer Reise berühren, wo es mir dann eine höchst angenehme Pflicht sein wird, persönlich meine Verehrung zu bezeugen.

Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung

Ew. Wohlgeboren

ganz ergebenster

Immermann.

N. S. Der beigelegte Scherz wurde vor einigen Jahren geschrieben. In unsrer großen Zeit konnte Däumchen wohl auch einmal ritterlich und heldenhaft auftreten.

II.

Düßeldorff, den 28. Novbr. 1831.

Halten Sie es nicht für Undank für genoßne Güte, wenn ich Ihnen, mein Hochverehrter, erst jetzt schreibe. Theils zögerte sich meine Rückreise hin, theils habe ich hier erst eine totale Unlust zu aller Äußrung und Mittheilung überwinden müssen. Ein Zustand, in den man wohl versinkt, wenn der Wechsel der Eindrücke mit einem stillren Lebensgange wieder zu vertauschen ist.