Obgleich dieser Erfolg in einer kleinen Stadt für mich keinen weitern Vortheil haben kann, so hat er mich doch sehr gestärkt und beruhigt. Ich kann nicht bergen, daß ich schon seit Jahren und namentlich seit dem Erscheinen des Alexis einen großen Mißmuth über die völlige Geringschätzung, womit mich die sogenannte reale Bühne bei Seite liegen läßt, empfinde. Hieran reihten sich peinigende Zweifel über meinen Beruf. Ich habe aber nun an der Aufführung des Hofer gesehen, daß es wenigstens meine Schuld nicht ist, wenn meine Sachen nicht gegeben werden.
Wie oft dachte ich der guten Stunden, die ich im Herbst mit Ihnen zubringen durfte und wünschte mir sehnlichst die Wiederkehr auch nur einer derselben! Sind Sie denn jetzt auch recht gesund? Werden Sie in diesem Jahre ins Bad gehn, und wohin? Ich könnte, wenn ich es bei Zeiten erführe, vielleicht auch dorthin auf einige Tage kommen, denn Sie hier in Düsseldorf zu sehn, ist doch wohl nur eine vergebliche Hoffnung. Ihr: „Tod des Dichters“ hat überall, wo ich darüber mit Jemand sprechen konnte, einen schönen Eindruck hervorgebracht. Mit dem gestiefelten Kater gelang es mir, hier eine Gesellschaft von achtzig Personen, vor der ich wieder wie früher, im Winter einige dramatische Gedichte vortrug, in ein unauslöschliches anderthalbstündiges Gelächter zu setzen.
Ich bitte Sie, wenn Sie über Ihre Reise entschieden sind, mir ein Paar Zeilen zu schreiben, oder Fräulein Dorotheen zum Bruch ihres Gelübdes, nie etwas Schriftliches an einen Mann zu erlassen, zu vermögen. Ich sehe Sie dann, wenn es mir irgend möglich ist.
Die Handschrift des neuen Hofer habe ich nicht geschickt, weil er bald gedruckt in den 4 ersten Bänden meiner Schriften erscheint, die ich Ihnen gleich nach deren Erscheinung überreichen werde. Ich wußte doch vorher, daß er dort nicht aufgeführt werden würde.
Gegenwärtig bin ich emsig an meinem Romane: die Epigonen, und hoffe noch im Sommer diese Arbeit zu vollenden. Ich bin seit 11 Jahren damit beschäftigt; ist er also fertig, so wird mir eine große Last abgenommen seyn. — Haben Sie die Güte, Ihrem ganzen Hause, wozu ich auch Frau Solger zähle, mich auf das angelegentlichste zu empfehlen. Mit aufrichtigster Gesinnung
Ihr
treu ergebner
Immermann.
VII.
Düsseldorf, d. 7. Nov. 1834.