Vor etwa zehn Tagen ließ ich die ersten vier Bände meiner Schriften an Sie, theurer Meister, abgehn, und dachte mit dem nächsten Posttage an Sie zu schreiben. Das Gedränge, worin ich jetzt stecke, hat aber diese Zeilen bis heute verzögert. Unterdessen sind jene Bände bei Ihnen angelangt, und werden hoffentlich von Ihnen mit gewohnter Freundlichkeit empfangen worden seyn. Es ist viel Neues darin, noch Mehreres, was früher schon vorhanden, jetzt eine neue Form gewonnen hat. So ist namentlich Tulifäntchen in der jetzigen Gestalt knapper und präciser gehalten.

Ich betrachtete es als ein wahres Unglück, daß wir uns im Sommer verfehlten. Welchen angenehmen Tag hätten wir zusammen haben können! Wir sind wenige Meilen an einander durchgefahren, Sie über Heidelberg, ich über Mannheim; leicht wäre es mir gewesen, jene Tour zu nehmen, und mit Ihnen einen Tag in Heidelberg zu seyn. Vielleicht, daß das künftige Jahr mir in dieser Hinsicht mehr Glück bescheert.

Hoffentlich steht es in Ihrem Hause jetzt wieder wohl, oder besser doch, als damals, wo Sie mir schrieben. — Ihrer heitern Laune in der Vogelscheuche habe ich mich sehr erfreut; in diesem Mährchen ist eine unendliche Fülle des graziösesten Scherzes (trotz des verhängnißvollen Hans — im Himmel und auf Erden) und der lieblichsten Naturanschauungen. Nur fürchte ich, werden es Ihnen unterschiedliche distinguirte Charaktere in Literatur und Kunst, beim Militair und Civil übel gedenken, daß Sie ihren Stammbaum von gebranntem Leder so schonungslos enthüllt haben. Hegel und seine ganze Schule war, wie ich glaube, ähnlicherweise aus den Erbsenfeldern gelaufen.

Meine Tage werden jetzt ganz von dem Geschäfte für die Bühne absorbirt; ich kann weder etwas schreiben, noch lesen. Hätte ich auf eine augenblickliche Vergeltung der sauersten Mühen gerechnet, so müßte mir meine Lage sehr peinlich vorkommen, da ich aber dieses Geschäft mit völliger Resignation anfing, so tröstet mich nur der stille Gedanke, daß, wie übel der Anschein der Dinge auch immer seyn möge, Fleiß und Liebe nie ganz umsonst aufgewendet wird. Ich eröffnete die Bühne vor etwa 14 Tagen mit einem Vorspiele von mir, und dem Prinzen von Homburg, der vortrefflich gegeben wurde. Namentlich wird man, das darf ich kühn sagen, die Paroleszene, die Schlacht und den 5ten Act nicht leicht beßer sehn können. Hätte ich Sie doch unter meine Zuschauer zaubern können!

Von bedeutenden Aufgaben, die seit der Zeit gelöst worden sind, kann ich Ihnen ferner Macbeth nennen. Ich wollte ihn erst nach Ihrer Übersetzung geben, aber als ich erwog, daß für diesen Vers unsren Schauspielern zur Zeit noch die Zunge, und unsrem Publico das Ohr gebricht, so entschied ich mich doch für Schiller, legte aber die Hexenszenen aus Ihrer Übersetzung ein. Die Hexen wurden nicht als Furien, sondern als häßliche ekelhafte alte Weiber gespielt, wo mir denn wenigstens die Genugthuung wurde, daß während jene Gestalten in der Regel Lachen erregen, dießmal ein rohes Sonntagspublicum dem alten Weiber-Gekreische so still zuhörte, als säße es in der Kirche.

Den ersten Act schloß ich, zum Theil durch die Beschränkung meiner kleinen Bühne gezwungen, mit der 4ten Szene, so daß nun der ganze Aufzug ein kurzes stürmisches Schlacht-, Zauber- und Gewitterbild war. Der zweite Act begann mit der Brieflesenden Lady, und in diesem hatte ich von Shakespeares, mir durch Sie erst klar gemachten Intentionen soviel gerettet, als möglich war. Die Szene blieb unverändert, und stellte einen engen gothischen Hof des Schlosses Inverneß mit einem Balcon und verschiednen Ein- und Ausgängen vor. Der Act begann gegen Abend, dauerte die Nacht hindurch und schloß am Morgen. Freier Himmel, der Mond hinter schwarzen Wolken, Sturm und Regen spielten mit.

Das Arrangement war so:

a. a. a. Hauptgebäude des Schlosses mit einem seitwärts hervorspringenden Vorbau.

b. Pforte, durch welche die Lady Brief lesend, und am Morgen nach dem Morde auftritt.