Was mir sehr zu statten kam war, daß der Schauspieler, welcher den Czar spielte, ganz in meine Absichten eingegangen war, und wirklich etwas Großes leistete. Der Effect auf die Zuschauer war denn so, daß der erste Theil wie ein Prolog wirkte, sie in Spannung und Aufmerksamkeit erhielt; der zweite Theil aber sie fortriß. In diesem Theile wechselten nur die untrüglichen Zeichen der vollendeten Wirkung ab, nemlich Todtenstille und lebhafter Applaus.

Da ich Ihren Antheil an diesen Sachen kenne, so bin ich so weitläuftig gewesen und fürchte nicht, Sie damit ermüdet zu haben.

Manche trübe Zweifel, welche die Vernachlässigung meiner Arbeiten seitens der sogenannten realen Bühne in mir hervorgebracht hatte, sind durch die Aufführung des Alexis und durch die des Hofer im vorigen Jahre niedergeschlagen worden. Ich weiß nun, daß diese Stücke dem deutschen Theater angehören, und über Kurz oder Lang über dasselbe ihren Gang nehmen müssen, wie sehr man sich auch dagegen sperren mag. (?)

Jetzt bin ich am Blaubart und habe heute die erste Leseprobe davon gehalten, bei welcher Hr. Weymar auch noch zugegen war.

Ich leide an einem Augenübel und muß mich deshalb fremder gütiger Hand bedienen, um mich mit Ihnen unterhalten zu können. Das Verdrieslichste bey diesem Umstand ist mir, daß sich dadurch die Aufführung des Blaubarts vielleicht verzögert.

Ihr Freund Löbell ist hier und hat sich vorgenommen, letztere abzuwarten.

Mit treuer Gesinnung der Ihrige.

Immermann.

IX.

Düsseldorf, 4. May 1835.