Geliebter Freund! theilen Sie einiges aus diesem Blatt oder das ganze Blatt ihren Schauspielern, die sich so redlich bemüht haben, mit, und vielleicht habe ich dadurch zum Theil Ihrem Wunsch genügt. Aber glauben Sie mir, die allgemein Anerkannten dieser Profession, die Bewunderten sind heut zu Tage die unerträglichsten, an welchen Hopfen und Malz verloren ist. Sagen Sie einem dieser: er sei mehr als Garrick, Schröder, Talma, Baron, Fleck &c. — er dankt mit Kopfnicken und meint, das verstehe sich von selbst; ersuchen Sie denselben, er möge das Knie weniger krümmen, oder den Federhut in die linke, statt in die rechte Hand nehmen, so ist er Ihr unversöhnlicher Feind. Die minder großen nehmen noch Lehre an.
Nun noch eine Bitte.
Unser hiesiger sehr braver Schauspieler und Regisseur Dittmarsch wünscht, daß seine junge Tochter etwas lerne, was sie kann, wenn sie unter verständiger Aufsicht und ächter Kritik viel spielt. Da hat er sein Auge auf Sie, theuerster Freund, geworfen, und ersucht mich, Ihnen dies muntre, gutgeartete Kind zu empfehlen. Sie hat hier, nicht ohne Beifall, naive Bauernmädchen z. B. Rosine in Jurist und Bauer gespielt und noch mehr muntre Rollen. Das Neckische, Possierliche, Gutmüthige, Heitre und ganz Natürliche des Lustspieles scheint ihr Talent; aber sie kommt hier zu nichts, weil die Concurrenz bei unsrer Bühne zu groß ist. Viele Rollen dieser Art hat die Devrient hier, und will sie nicht abgeben, weil sie darin noch immer gefällt; nun ist die Bauer engagirt, eine Virtuosin in diesem Genre: die Berg, die Herold sind noch hier, noch einige aufkeimende, alles will spielen, viele haben ältere Ansprüche und da ist das arme liebe Kind fast ohne Beschäftigung. Ich, und der Vater mit mir, glaubten, daß unter Ihrer Leitung das Mädchen wohl etwas Vorzügliches leisten könnte, wenn sie nur recht viel beschäftigt würde. Können Sie sie irgend brauchen, so schlagen Sie meine Bitte und Empfehlung nicht ab: die Geldforderung würde auf keinen Fall bedeutend sein. Herr P. wird Ihnen das Nähere sagen.
Herr Dittmarsch, der Vater, hat nicht das Talent, die Tugend und das Laster der meisten Regisseure, daß er seiner Tochter, wie er oft beim Intendanten könnte, Rollen erschliche oder erbäte; er ist zu ehrlich und verlangt, man soll ihm entgegenkommen. Da er so schweigsam ist, geschieht dies zu wenig, und wir nehmen Sie also in Anspruch, geehrter Freund!
Wie viel hätte ich noch zu sagen; ich muß endigen. Kommen Sie, setzen Sie die Ausgabe Ihrer Werke fort, bewahren Sie mir Ihre Liebe, so wie ich bin und bleibe
Ihr
wahrer aufrichtiger Freund