Das Haus der Grafen Salm hat hieran den lebendigsten Antheil genommen. — So wie ich selbst die tiefere Bekanntschaft Ihres Genius, (denn ich lese alle Jahre alle Ihre Werke einmal ganz durch,) der Gräfin Salm verdanke, so wünschte die ganze Familie nichts sehnlicher, als Sie einmal zu längerem Sommeraufenthalt auf ihrem Schlosse Raitz bei Brünn zu besitzen. — Der älteste Sohn, Graf Hugo Salm, ist in Prag angestellt, Ihnen also recht nahe. — Er hat seiner Mutter zu ihrem letzten Geburtsfeste, von dem talentvollen Prager Maler Führich, der jetzt nach Rom geht, einen Cyklus aus Ihren Elfen componiren laßen, den ich unendlich zart und genialisch finde. — Von demselben Führich ist ein Cyklus aus Ihrer Genovefa, mir lieber, als alle Umrisse von Retzsch und Cornelius.
Sophie Müller erzählte mir, sie habe Ihnen bereits kundgegeben, wie mich Ihr „Dichterleben“ entzückte, wie ich durch ganz Wien, die Honneurs desselben gemacht, es den Leuten auf die Brust gesetzt und Mehreren, mit Gewalt vorgelesen habe. — Hier und in der Vorrede zu Heinrichs von Kleist dramaturgischem Nachlaß, fand ich meine eigenen Ansichten und Wünsche hinsichtlich der Nationalität der Tragödie und des historischen Drama siegend ausgesprochen. — Aber was soll ich Ihnen sagen von dem Krieg in den Cevennen, in dem ich beinahe jeden Tag wieder lese und über die einzelnen Partien desselben recht eigentliche Studien mache? — In unserer deutschen Literatur hat dieses Meisterwerk nicht seines Gleichen und ich zweifle sehr, ob in irgend einer andern? Da ich selbst den Tyrolerkrieg von 1809 geleitet habe und den Gebirgskrieg und den Volkskrieg genau kenne, mögen Sie auch die Steigerung des Eindruckes ermessen, den die ungeheure, psychologische Wahrheit, die grandiose Anordnung des Ganzen, die präcise Charakteristik, die hohe Ruhe in der beständigen Unruhe, das Unbewegliche im ewig Beweglichen, auf mich gemacht haben. — Ich weiß diesen Eindruck mit Nichts zu vergleichen, seit langen Jahren in unserer wahrlich verhängnißreichen Zeit.
Aber um des Himmelswillen, wie haben Sie es über sich vermocht, den ersten Theil allein herauszugeben. — Das heißt, die Leute bei den Haaren aufhängen und die Schwachen mit aller Gewalt irre machen. — Solche Reitze vertragen wenige, ohne endliche Befriedigung.
Ist aber doch ernstliche Hoffnung, daß der zweite Theil bald nachfolge? daß er nicht ad Calendas Graecas hinausgeschoben werde? — Was Sie bereits gegeben haben, ist so bewundernswürdig, so zart und zugleich so groß, daß Sie die Gesundheit und die Nerven aller echten und rechten Leser zu verantworten haben und daß Sie meinen Kindern dafür responsabel sind, wenn auch über mich in allem Ernst der Geist des Herrn kömmt und ich mich auf ein Haar so gebärde wie der lange, blöde Michel! — Was nur unser dicker Friedrich Schlegel dazu sagen wird? Ich denke, er macht eine bedenkliche Miene, darauf einen schlechten Witz und ärgert sich zuletzt, daß nichts anders heute Abends zum Souper kommen soll! So ist in der That sehr zu beklagen, daß ein solches Talent so endigt! daß es in all den mystischen Grimassen nicht einmal de bonne foi ist und daß ihm diese mühsame Hypokrisie noch obendrein schlecht genug bezahlt wird, ja, daß er gar keine Partei für sich hat, außer einige Mönche, einige junge Leute, die er noch ins Narrenhaus bringen wird und eine Dame, die er, wie die Leute sagen, auszieht, was ich eben nicht glauben will, die aber eine boshafte Thörin ist.
In der That, wenn Sie auch dem Gelübde nicht abtrünnig werden können noch wollen, Niemandem eine Zeile zu antworten, so könnten Sie mich doch durch dritte Hand wissen laßen, bis wann Hoffnung ist, daß der zweite Theil erscheinen werde? — In den Almanachen, die mir bisher unter die Hände kamen, suchte ich vergebens nach einer Novelle von Ihnen, weiß auch kein Wort, was wir sonst hoffen dürfen? und wie es mit der Herausgabe Ihrer sämmtlichen Werke stehe?
Das Theater macht Ihnen wohl noch hübsch viel Galle? — Das ist nun einmal nicht anders. — Die Wiener und Berliner Direktionen wetteifern darin mit einander, das Problem zu lösen, wie man mit einem Verein der ausgezeichnetsten Kräfte so wenig als möglich leisten könne? — Die Censur gibt den Herren freilich leider manche Entschuldigung an die Hand, allein nichts destoweniger könnten sie weit mehr thun, als sie wirklich leisten. — Anschütz bezeigte Ihnen seine tiefe Verehrung. Das ist doch noch ein Mensch, mit dem es eine Freude ist, von Ihnen und von Ihren Werken zu sprechen und der eben so die Alten, wie den Shakespeare in der Ursprache zu lesen vermag. —
Genehmigen Sie mit gewohnter Güte den erneuerten Ausdruck der wärmsten Theilnahme des Salmischen Hauses und meiner unwandelbaren Bewunderung und Anhänglichkeit.
Ganz der Ihrige
Hormayr.
Meine Addresse ist: Nr. 707 am alten Fleischmarkt, dieselbe Wohnung, wo wir so glücklich waren, Sie zu sehen.