Ihre

Frid. Rob.

XI.

Berlin 29t. Jan. 29.

Verehrtester Herr und Freund.

Vor einigen Wochen nahm ich mir endlich das Herz, Ihnen, durch meinen Bruder, eine dramatische Arbeit zu überreichen, die, wenn auch nicht viel Gewicht auf sie zu legen ist, doch so gut, wie so vieles Andere der Darstellung auf der Dresdner Bühne werth wäre. Ich dachte, durch Ihre Vermittelung, die Lebendigmachung des Werks und ein übliches Honorar zu erreichen, um so mehr, als ich es nicht versäumte, die für Ihre sämmtlichen Werke von Cotta geforderte Summe bei demselben zu erzielen, die Reise nach Stuttgart, einzig dieser Verhandlung wegen, nicht scheuete, und, als Sie denselben gänzlich ohne Antwort ließen, Reimer aber den Verlag der Werke ankündigte, über die Unannehmlichkeit schwieg, mich kompromittirt zu sehen.

Wohl weiß ich es, mein verehrter Meister, daß Sie Gewichtigeres zu thun haben, als mir Ihr Urtheil über das, was ich zu leisten vermag, aufzuschreiben, oder wohl gar dessen in Ihren öffentlichen Kritiken zu erwähnen. Aber offen will ich es gestehen, daß ich, bei Ihrer Stellung zu dem Dresdner Hoftheater, schon früher erwartete, daß Sie einige meiner Stücke zur Aufführung bringen würden; und ich also um so schmerzlicher berührt bin, da Sie, nachdem ich Ihnen ein Werk, das wenigstens die Eigenschaft der Darstellbarkeit hat, übersendet habe, mich auch nicht einer Zeile Antwort würdigen.

Dieses Ihnen unumwunden zu sagen, gebiethet mir meine redliche Offenherzigkeit, zu welcher mich überdies Ihre frühere günstige Meinung über mich berechtigt. Sollte die dortige Bühne von dem übersendeten Stücke keinen Gebrauch machen, oder Sie es derselben nicht vorschlagen können, so erbitte ich mir das Manuscript durch die fahrende Post zurück, und ersuche Sie diese Zeilen sowohl, als daß ich Ihnen überhaupt lästig fiel zu verzeihen.

Mit

vollkommen anerkennender Hochachtung