In Bezug auf Göttingen haben Sie mich vielleicht mißverstanden. Ich selbst besitze dort nichts. Aber die Kön. Bibl. ist nicht arm an spanischen Büchern, worüber man Ihnen sicher willig Auskunft ertheilen dürfte.

Der Adelung ist leider für immer verloren. Wenn ich ihn vielleicht unter den Sachen gehabt hätte, so wäre er doch schon deßhalb längst fort, weil ich 1808 ganz rein Haus gemacht habe und alle Mobilien, Bücher &c., welche ich besitze, seit 1812 ganz neu wiedergekauft. Indeß weiß ich bestimmt, daß er mir früher nie in die Augen gefallen ist, und daß ich auf Ihre Anfrage zu Krempeldorf, meinem damaligen Sitze, vergebens danach gesucht habe.

V.

München, den 11ten März 28.

Endlich ist es mir gelungen, verehrter Freund, den König einmal privatim zu sprechen. Er hat sich Ihrer mit Güte erinnert, auch glaube ich bemerkt zu haben, daß Ihre Antwort, welche er selbst gelesen, keine Bitterkeit in ihm hervorgerufen oder nachgelassen hat. Uebrigens glaube ich wahrzunehmen, daß er an dem Theaterwesen weniger Freude hat, als wir lebhaften Theaterfreunde wohl wünschen könnten, was seine Gründe hat. Hier ist die Bühne sehr gesunken, Eßlair so fertig, daß ich mir Ihr strenges Urtheil sehr wohl erklären kann. Hie und da scheint einmal eine Erinnerung alter Zeit in ihm aufzusteigen, im ganzen spricht er (der alles Gedächtniß verloren haben soll) gedankenlos nach dem Soufleur. — Urban hat ein schönes Organ, stößt aber hie und da beym 4–6ten Wort, offenbar in der Meinung, den ungeheurn Raum auszufüllen. Uebrigens sehen die Schauspieler in Tracht und Bewegung minder dürftig und hölzern aus, als auf den meisten Bühnen, wohl eine Wirkung der hier durchaus prädominirenden malerischen Geister. — In diesem Augenblick haben wir hier bey stillem Wetter italienisches Clima. Vor vier Tagen Schnee und Frost bei Südwestwind. Thauwetter an der einen, Frost an der Windseite der Häuser! — Ich glaube doch, Sie haben wohlgethan, den Ruf an hiesige Universität abzulehnen; wie ich, wie alle Freunde Münchens wünschen mögen, daß Sie hieher gekommen wären, wo Ihre vielseitig billige Denkungsweise vielleicht manche Widersprüche ausgeglichen hätte, deren Vereinigung und Ausgleichung schwer genug seyn mag, und vielleicht unmöglich ist. — Sie würden München nicht wiederkennen, so ist es erneut, der Pracht und Gediegenheitssinn des Königes giebt vielen Unternehmungen einen stattlichen Charakter. Bisweilen könnte die Anlage besser seyn. Doch bin ich mit der Gallerie zufrieden und habe in der Glyptothek, wo ein Saal gemalt, drey mit Statuen verziert sind, und welchen!! köstliche Stunden verlebt. — München wäre in mancher Beziehung ein sehr lebbarer Ort. Ich wollte ich wäre nie hinausgewichen. Doch würde es mir gegenwärtig Mühe kosten, mich wiederum darin einzuwohnen. Auch zieht mein junger Freund mich vorwärts. Er hat ein sehr hübsches Blatt radirt. Ich möchte, er machte eine ganze Folge, was vielleicht geschieht, ehe ich abreise.

Empfangen Sie noch meinen Dank, Sie und Ihre Freunde, für die schönen Stunden, welche Sie mich in Ihrer Gesellschaft haben verleben lassen. Es waren doch behagliche Tage in Dresden, Morgens Beschäftigung mit Kunstsachen, Nachmittags Umgang mit geistvollen Leuten. Was kann man mehr und besseres begehren. Ich wäre bey Ihnen hängen geblieben, hätte mich nicht Wort und Wunsch an das Schicksal meines Zöglings geknüpft, welcher vielleicht nicht so viel Liebe verdient, als ich ihm schenke, hingegen, wie ich glaube, der Künstlerwelt ein nützliches Beyspiel früher Entwickelung geben wird, was denn am Ende die Hauptsache ist.

Leben Sie wohl und empfehlen mich den Ihrigen. Wenn Neues vorfällt, erhalten Sie noch ein Schreiben von

Ihrem

ergebenen

Rumohr.