Zur Entschuldigung einer vielleicht belästigenden Zusendung von Seiten eines persönlich Ihnen ganz Unbekannten diene Folgendes:

Es bietet sich mir auf einer zu Anfang des nächsten Monats anzutretenden Reise von Breslau nach Trier, meinem Aufenthaltsorte, die erwünschte Gelegenheit, mich wenige Tage in Dresden aufzuhalten. Hieran knüpfte sich bei mir unmittelbar der lebhafte Wunsch, wenn auch nur flüchtig, einen Mann kennen zu lernen, dem alle Gebildeten Deutschlands Dank und Verehrung schuldig sind. Da mir aber wohl bewußt ist, daß Männer von bedeutendem Ruf nur zu sehr von unberufnen Zudringlingen belästigt sind, so würde ich meinen Wunsch gewiß unterdrückt haben, wenn ich seine Erfüllung nicht irgend einer Berechtigung verdanken dürfte. Durch meine bisherigen, in der Masse verschwindenden, literarischen Bestrebungen kann ich kaum hoffen, Ihnen, auch nur dem Namen nach, bekannt zu sein. Ich erlaube mir daher, Ihnen beiliegend ein Werkchen zuzusenden, das bis jetzt meine bedeutendste Arbeit ist, und in dem Sie, sollten Sie es übrigens auch als einen mißlungenen Wurf beurtheilen müssen, wenigstens den sittlichen und künstlerischen Ernst nicht verkennen werden. Aus diesem Geist des Ernstes werden Sie auch ersehn, daß ich wenigstens nicht zu jener Zahl literarischer Vagabonden gehöre, die berühmte Männer aufsuchen, um aus ihren Gesprächen, im Nothfall aus dem Schnitt ihres Rockes, Journalartikel zu fabriziren. Meine Absicht ist einzig und allein die, einen Mann zu sehn, der ein ganzes, ruhmvolles Leben, rastlos thätig, bald anregend, bald selbst schaffend, dem gewidmet hat, dem ich selbst das Streben eines Jüngers von ganzer Seele weihe — der Poesie.

In der Hoffnung, daß diese Zuschrift nicht belästigen und schon ein persönlicher Besuch mir gestattet sein möge, bin ich mit Hochachtung, verehrtester Herr

Ihr

Ergebenster F. v. Sallet,

Königl. Preuß. Lieutenant.

II.

Breslau, d. 16/2. 39.

Verehrtester Herr Hofrath!

Als ich die Ehre hatte, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, waren Sie so gütig, mir eine spätere briefliche Mittheilung über mein Leben und Treiben zu erlauben. Ich fühle wohl, daß ich von diesem Rechte eigentlich nur dann Gebrauch machen sollte, wenn ich von errungenen Resultaten zu berichten hätte. Dennoch erlaube ich mir, auf Ihre Güte vertrauend, mich grade im entgegengesetzten Falle an Sie zu wenden, wo ich nehmlich daran gehe, mich in ein Unternehmen einzulassen, dessen Gelingen höchst zweifelhaft ist.