Höre, das Parteinehmen ist gar nicht meine Sache, — ich bin für den allgemeinen Frieden, und suche ihn auf alle Weise zu bewerkstelligen. Schwerlich möchtest Du aber die rechte Partei ergreifen, wenn Du die von Fr. gegen C. nimmst. Glaube mir, er hat sich in diese Sache auf eine auch mir zu nahe tretende Art indiscret eingemischt, und das zwar aus bloßer Empfindlichkeit, da er leider von diesen Kleinlichkeiten nicht frei ist. Was von der V. zu sagen ist, weißt Du selbst so gut wie ich. Wenn ich nach Jena komme, muß von derlei Parteiwesen nicht weiter die Rede sein, oder ich würde dann selbst gegen Fr. Partei nehmen.
Nun von Geschäften wegen des Almanach. Ueber den Druck rede ausführlich mit Cotta; ich habe schriftlich bei ihm angefragt, wo und wann ich die 60 Lsd’or Grundhonorar in Empfang nehmen könnte, um die Beiträge der Freunde baldmöglichst zu honoriren; denn ich habe vorausgesetzt, daß Du mir mit dem Archivariat auch dieses Geschäft übertragen, da Du nicht für dergleichen Besorgungen bist. Es versteht sich, daß wir den Betrag für die Beiträge, die nicht honorirt werden, unter uns theilen, so wie auch die 40 Lsd’or, wenn wir sie nachgezahlt erhalten.
Von Deiner großen Romanze habe ich eigenhändig eine saubre Abschrift gemacht, und das Original an Bernhardi gegeben, um es für Dich abschreiben zu lassen oder Dir zu schicken. Die paar Lesearten habe ich nach Deiner Vorschrift verändert. Nur mit dem Wuste wußte ich nicht, wie Du es haben wolltest. Die Zeilen heißen so: „Alles Glück der ganzen Erde lag umher versteckt im Wuste.“
Von Fr. habe ich eine Abschrift von Hard. Gedicht an Dich und eine Anzahl meist kleiner Sachen von ihm selbst erhalten, die zum Theil neu sind, außer denen uns schon vorher bestimmten. Fichte hat mir ein kleines Gedicht gezeigt, das er uns geben will, und giebt vielleicht noch mehreres andre, doch vermuthlich ohne seinen Namen. — Röschlaub hat an Schelling einige Distichen auf Reinhold geschickt, wovon er erlaubt, mit seinem Namen Gebrauch zu machen, welches schon der Merkwürdigkeit wegen etwas werth ist. Ich soll sie bald erhalten. Schelling hat sich für seine Sachen die Chiffer Venturus (?) gewählt, hat für jetzt noch nichts weiter zu geben. Ich habe ein Sonett auf Buri’s Bild der Tolstoi gemacht, und eine Romanze im Sinne. Sobald Du von Leipzig zurück bist, will ich eine große Sendung an Dich von allem hinzugekommenen besorgen. Ich bringe das Archiv in die schönste Ordnung.
Schick nun auch in des Teufels Namen die geistlichen Lieder von Hard. und den Camaldulenser. Ferner bitte ich Dich, an Carl Hardenb. über seine Gedichte zu schreiben, die Du in Händen haben mußt.
Das Bamb. Gesangbuch wird sich wohl bei Bernh. finden. Ich habe von Dir 1) Shakesp. Fol., 2) Shakesp. Johns. einen Band, 3) die Sprachlehre von Bernh., die aus Versehn hiergeblieben, 4) den Tobias von Meyer. — In Jena ist noch Dein Weckherlin. Wenn Du von Leipzig zurückkommst, so nimm Dich nur gleich recht zusammen, und mach fertig, was Du geben willst, damit der Druck zeitig anfangen kann. Lebe recht wohl, und grüße Deine liebe Frau. Schreibe auch bald wieder
Deinem
A. W. v. Schl.