Schreibe mir bald, und empfiehl mich angelegentlich Deiner lieben Frau, Deinen Töchtern und der edlen und liebenswürdigen Gräfin von Finkenstein. Entschuldige so gut Du kannst, mein sündhaftes Nichtschreiben. Es ist ein Laster, wogegen alle guten Vorsätze nichts helfen. Deine Frau hat mir durch Zusendung Deines Porträts, gezeichnet von Auguste Buttlar, eine große Freude gemacht. Alle Freunde finden es meisterlich getroffen. Ich habe an meine Nichte nach Wien geschrieben, aber seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen von ihr empfangen. Ich weiß nicht einmal ihre Adresse in der großen Hauptstadt. Warum verweilt sie immer dort, und wendet sich nicht nach Berlin, überhaupt nach dem Norden von Deutschland? Für Holland und die Niederlande könnte ich ihr sehr nachdrückliche Empfehlungen an die Königin schaffen und geben.

Ich halte jetzt wieder meine Wintervorlesungen für die Damen, die stärker besucht sind als je. Da würdest Du die schönsten Frauen und Mädchen von Bonn beisammen sehen.

Vor einiger Zeit, da ich in einer schlaflosen Nacht Deinen Fortunat las, habe ich, wie ich fürchte, durch mein Lachen alle Nachbarn aufgeweckt. Unser berühmter Arzt, v. Walther, bewundert besonders die Consultation der Aerzte. Bloß wegen der Hörner-Scenen muß ich Dich für einen Wohlthäter der Menschheit erklären.

Ich hecke immer allerlei Späße aus, die in meinem Portefeuille bleiben. Gedruckt sind nur ein paar kritische Vorreden in lateinischer Sprache. Im vorigen Jahre sind zwei starke Bände Indischer Text erschienen, bald ist wieder einer fertig. Du würdest diese Dinge wohl bewundern, wenn sie Dir in einer verständlichen Sprache zugebracht würden, welches denn auch geschehen soll. So eben habe ich Briefe aus Indien. Ich bin zum Mitgliede der literarischen Gesellschaft in Bombay ernannt. Zugleich kündigt mir der Gouverneur, General Malcolm eine Sendung von Manuscripten und andern Asiatischen Antiquitäten an, die auch bereits in London angekommen ist.

Nun lebe recht wohl, grüße Alle, schreibe mir bald und behalte mich lieb. Wenn Du wieder nach Bonn kommst, soll besser für Logis gesorgt seyn, denn ich habe das obere Stockwerk einrichten lassen. Die edlen Rosse stolzieren noch immer vor meinem Wagen.

Mit tausend herzlichen Wünschen

Ganz der Deinige

A. W. v. Schl.

XXXI.

Bonn, d. 27. Mai 36.